Der Held von der A113: Thomas Zupp (25) stoppte auf der Stadtautobahn einen Lastwagen, in dem der Fahrer bewusstlos wurde.
Foto: Eric Richard

BerlinEin Lastwagen schlängelt sich führerlos über die Stadtautobahn. Der Fahrer sitzt bewusstlos hinter dem Steuer. Als der Betonmischer gegen die Leitplanke kracht, greift ein anderer Autofahrer mutig ein. 

Requisitenfahrer Thomas Zupp schilderte im Gespräch mit der Berliner Zeitung, wie er durch sein beherztes Eingreifen Schlimmeres verhinderte – und vermutlich so das Leben des Lkw-Fahrers rettete. Der 25-Jährige war am Mittwochvormittag gegen 10.30 Uhr mit seinem VW-Transporter auf dem Weg ins Produktionsbüro, wo er an einem ZDF-Film mitarbeitet. Über die Auffahrt Stubenrauchstraße fuhr er auf die Stadtautobahn. Eine glückliche Fügung.

Nach etwa 200 Metern fiel ihm auf, wie ein Betonmischer vor ihm Schlangenlinien fuhr. „Ich habe mich noch gewundert, warum der Fahrer ohne Blinken von der rechten Fahrspur bis auf die linke rüberzieht. Denn da dürfen eigentlich keine Lkw fahren. Es war wirklich Glück, dass er mit keinem Auto zusammenstieß “, sagte der junge Mann aus Königs Wusterhausen dieser Zeitung.

Andere Verkehrsteilnehmer wichen dem Lkw aus, einige hupten. Dann kollidierte der Betonmischer mit der Mittelleitplanke. In diesem Moment hatte der Fahrer wohl den Fuß vom Gaspedal genommen, vermutete Zupp. „Denn ab diesem Moment fuhr der Lkw nur noch mit Standgas weiter“, berichtete der 25-Jährige. Daraufhin überholte er den Betonmischer und blickte auf gleicher Höhe in die Fahrerkabine. Weil er im Transporter deutlich höher saß als in einem Pkw erkannte er, wie der Fahrer mit hängendem Kopf am Steuer saß. „Ich habe erst gedacht, der schläft“, so Zupp.

Sein erster Gedanke war, den Notruf zu wählen. „Doch dann hatte ich einen Geistesblitz. Vermutlich habe ich das aus dem Fernsehen“, meint Zupp augenzwinkernd. Geistesgegenwärtig stoppte er seinen VW-Transporter ein gutes Stück vor dem Lkw, während dieser noch immer auf der linken Spur fuhr und die Leitplanke touchierte. Durch den Vorsprung war sich Zupp sicher, dass der Betonmischer nicht auf sein Fahrzeug auffuhr. Er lief auf den fahrenden Lkw zu und sprang auf das Trittbrett, riss die Fahrertür auf, während er sein Telefon am Ohr hatte. „Ich wusste gar nicht, dass ich so multitaskingfähig bin.“

Er zog die Handbremse und brachte den Lkw an der Abgrenzung zur Gegenfahrbahn zum Stehen. Zur Sicherheit zog er auch den Zündschlüssel ab. Gleichzeitig versuchte er, der Polizei zu erklären, was passierte. „Ich war voller Adrenalin und stotterte mir irgendwas zurecht“, so Zupp. Als der Motor aus war, kam der bewusstlose Fahrer zu sich. Ein Autofahrer aus der Schweiz, der ebenfalls auf der Autobahn gestoppt hatte, half Zupp. Die beiden Ersthelfer redeten auf den Lkw-Fahrer ein und gaben ihm Wasser. Nach zehn Minuten trafen Polizei und Rettungskräfte ein.

Sanitäter versorgten den 50-Jährigen. Weil Ärzte von einem Schlaganfall ausgingen, brachten sie den schwer verletzten Mann im sogenannten STEMO-Fahrzeug der Feuerwehr in ein Krankenhaus. Im Falle eines Gefäßverschlusses konnte so unverzüglich mit der Gabe von Medikamenten zur Auflösung eines Blutgerinnsels begonnen werden. Die am Einsatzort begonnene Therapie konnte in der Klinik ohne Zeitverlust fortgesetzt werden. Wie der Zustand des 50-Jährigen aktuell ist, konnten weder Polizei noch Feuerwehr am Donnerstag sagen. Sein Zustand sei zumindest stabil.

Und der Retter? Der blieb trotz des ganzen Rummels um seine Person entspannt. „Für mich war das wie ein Actionfilm, der wahr wurde. Ich will nicht als der große Held gefeiert werden. Für mich ist eine solche Tat selbstverständlich.“ Stolz ist er trotzdem. Denn einige Polizisten forderten bereits auf Twitter, dass Thomas Zupp und der Schweizer Autofahrer für ihren Mut ausgezeichnet werden sollten. 

Immer wieder erleiden Menschen hinter dem Steuer gesundheitliche Probleme, die zu Unfällen führen. Erst im September des vergangenen Jahres raste ein SUV-Fahrer (69) aufgrund eines Krampfanfalls mit über 100 km/h auf einen Gehweg an der Invalidenstraße. Vier Fußgänger starben, darunter ein dreijähriger Junge.