Kremmen/Berlin - Das bekannteste Punkrockfestival des Landes Brandenburgs ist gerettet, weil es nicht in Brandenburg stattfindet, sondern nach Berlin geflüchtet ist. Statt in Kremmen im Kreis Oberhavel findet „Resist to Exist“ nun im Marzahner Orwo-Haus statt. Und damit an der passenden Adresse: in der Frank-Zappa-Straße. Am Freitag um 10 Uhr öffnet das Gelände seine Tore, ab 13 Uhr spielt die erste von 40 nationalen und internationalen Bands.

Punks halten AfD für Forderungen der Ämter mitverantwortlich

Wenn die Punks versucht hätten, ihr Festival doch in Kremmen durchzuziehen, hätte ihnen ein Strafgeld von bis zu 50.000 Euro gedroht. Die Sachlage ist hoch kompliziert. Vereinfacht kann es so zusammengefasst werden: Erstmals forderten die Ämter eine Baugenehmigung. Dabei sagte sowohl der Bauer, der sein Feld für das dreitägige Festival bereit stellte, als auch die Anwälte der Punks: Für das Festival wird nichts dauerhaft gebaut, deshalb ist auch keine Baugenehmigung nötig.

Die Punks sprechen sogar von politisch motivierter Schikane und vermuten, dass die AfD mitverantwortlich ist. AfD-Politiker hatten nach dem Festival 2018 im Landtag angefragt, ob das Land einige der Bands, die dort aufgetreten sind, als linksextrem einstuft. „Das ist eine Standardstrategie der AfD, alles, was links von ihr steht, als linksradikal oder extremistisch abzustempeln“, sagt Peter Meir von den Organisatoren des Festivals. „Wir sind nicht extrem. Wir sind solide Antifaschisten.“

Der Bürgermeister von Kremmen widerspricht dem Vorwurf - „Resist to Exist“ soll ordnungsgemäß stattfinden

Solche Anfragen stelle die AfD auch für bestimmte Jugendclubs in Berlin. „Das dient der Einschüchterung, um den Raum für emanzipatorische Kräfte einzuengen und den politischen Gegner zu verdrängen.“ Meir sieht nun auch andere Festivals in Brandenburg in Gefahr. „Resist to Exist“ bezeichnet sich als größtes nichtkommerzielle, von Laien organisierte Festival seiner Art bundesweit. Es solle kein Geld verdient werden. Über Spenden und günstige Tickets – 55 Euro für drei Tage – sollen nur die Kosten gedeckt werden. 

Sebastian Busse, der CDU-Bürgermeister von Kremmen, sagt, die Sache habe rein gar nichts mit Schikane zu tun und erst recht nichts mit politischen Motiven. Den Veranstaltern sei bereits im Mai 2018, also vor dem bislang letzten Festival auf dem Acker, gesagt worden, dass laut Landesrecht eine Baugenehmigung nötig sei. Nur ausnahmsweise sei die Veranstaltung 2018 ohne eine solche genehmigt worden. „2019 sollte dann alles ordnungsgemäß sein“, sagte Busse. „Der Veranstalter hat einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht.“ Mit der AfD habe das alles nichts zu tun. „Bei uns in Kremmen gibt es nicht mal eine AfD.“

2020 will „Resist to Exist“ zurück nach Kremmen

Nach dem Aus für das Festival in Kremmen spricht die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion Marie Luise von Halem von einer „restriktiven Haltung“ der Ämter. „Pop-Musikfestivals sind eine Bereicherung für das soziokulturelle Leben im ländlichen Raum und eine große Chance für Brandenburg, seine Attraktivität auch für junge Menschen aus anderen Bundesländern zu erhöhen.“

Isabelle Vandre, Mitglied der Linken im Kulturausschuss des Landtages, sagte, dass Festivals ermöglichen und nicht verhindert werden sollten. Das Aus für das Festival sei „beschämend“. Den Ämtern wirft sie eine Blockadehaltung vor. „Die Aufgabe des nächsten Landtages muss es sein, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Festivals zu konkretisieren und so den Raum für alternative, selbst organisierte Kulturangebote zu ermöglichen.“

Die Punks wollen 2020 wieder nach Kremmen. „Aber dafür ist Rechtssicherheit nötig und ein klarer politischer Wille“, sagt Peter Meir.