Restarantkritik: Die Cantine d’Augusta in Schöneberg

Manchmal kann einem kaum etwas Besseres passieren als ein Platzregen im Sommer. Der beste Platzregen ist der, der einen auf der Langenscheidtstraße in Schöneberg trifft. Um genau zu sein: vor der Hausnummer 6a. So ist es mir kürzlich passiert, als ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Zuerst bei schönstem Sonnenschein, dann kam ein Wolkenbruch. Als ich wieder halbwegs etwas erkennen konnte, sah ich, dass ich direkt vor der Cantine d’Augusta stand. Längst hatte ich hier einmal einkehren wollen.

Die Cantine d’Augusta ist ein wunderbar trockener und warmer Ort, auch atmosphärisch gesprochen. Läge sie hoch oben in den französischen Alpen, wäre sie die perfekte Skihütte. Denn hier drin fühlt man sich sofort geschützt – wohl auch, weil man so schnell nicht verhungern würde.

Gänse-Rillette und baskische Blutwurst

Auf groben Baumrinden-Regalen sind unzählige Feinkostprodukte gelagert: Gläser mit französischer Enten- und Gänse-Rillette, baskische Blutwurst, Pasteten und Cassoulet in Dosen, Marmeladen und Weine aus den unterschiedlichsten Regionen Frankreichs. Auch der intensive Geruch, der von den Käse- und Wurstsorten aus der Kühlvitrine aufsteigt, hat etwas Beruhigendes.

Ich setzte mich erstmal hin. Denn in der Cantine gibt es nicht nur Käse und Charcuterieprodukte zum Mitnehmen, sondern auch ein paar wenige Tische. Die große Auswahl in dem kleinen Laden ist beeindruckend. Ebenso die Weinkarte, die mittlerweile 140 Positionen auf einem Klemmbrett vereint. Und das Beste: Nichts an dem Angebot ist willkürlich.

Reisen für den perfekten Käse

Ein Jahr lang sei er, erzählt der Betreiber Sébastien Gorius, in Frankreich herumgereist, um Hersteller wie Pierre Oteiza, Eric Ospital und Bernard Mure Ravaud zu finden und davon zu überzeugen, ihre Wurst, Käse und andere Waren nicht nur französischen Gourmetrestaurants zu liefern, sondern auch ihm hier in Schöneberg.

Daher würde ich empfehlen, sich eine der Platten mit 24 Monate gereiftem Comté, Ziegenfrischkäse mit Honig und Walnüssen, grün-blau geschimmeltem Roquefort und reifem Camembert de Normandie zusammenzustellen oder noch mit der groben, luftgetrockneten Rossette-de-Lyon-Salami, gekräutertem Kochschinken oder Rohschinken aus der Bayonne. Die Platten gibt es sowohl zum Frühstück als auch als Lunch von 12 bis 16 Uhr.

Mittags kann man aber auch je nach Tagesangebot zwischen ein paar warme Speisen wie Œuf Cocotte, Suppe, Quiche und Tartines sowie Salaten wählen. Es sind die Gerichte, die seine Großmutter Augusta liebte, sagt Sébastien Gorius, deswegen hat er seinen Laden nach ihr benannt.

Mein Salat mit Comté besteht aus Blattsalaten mit Karottenstreifen, dazu gibt es Walnüsse, in Öl eingelegte Tomaten und jede Menge darüber geriebenen, würzigen Comté – das ist eine aromatische und gute Mischung, mit einer Dijonsenf-Marinade angemacht.

Nach Omas Rezept selbst beigebracht

Was die warmen Speisen angeht, bin ich nicht ganz so begeistert. An der Quiche merkt man, dass da kein gelernter Koch in der Küche steht, sondern einer, der sich das nach Omas Rezept selbst beigebracht hat. Doch was heißt schon Küche! Die besteht eigentlich nur aus einer Kochplatte, weswegen vieles wohl schon in der Früh oder woanders zubereitet und später aufgewärmt wird.

Dem Quiche-Boden aus Pâte brisée, der französischen Version des Mürbeteigs, bekommt das Aufwärmen jedenfalls nicht so gut. Er ist davon etwas trocken und bröselig geworden. Auch fehlt mir der gute Buttergeschmack.

Aromatischer könnte außerdem die Füllung der Quiche sein, die diesmal aus etwas Zucchini und Tomate sowie einem Mix von Ei, Crème fraîche und Sahne besteht und bis auf die Muskatnote etwas neutral bleibt. Doch wer mitten in einem Feinkostparadies mit Käse und Wein strandet, der braucht ohnehin keine Quiche.

LA CANTINE D’AUGUSTA: Langenscheidtstr. 6/6a, 10827 Berlin, Tel.:  96 59 76 17, Mo–Sa 10–24, So 10–18 Uhr.