Restaurant-Kritik BRLO Brwhouse am Gleisdreieck in Berlin: Ein ultramodernes Hofbräuhaus

Berlin - Ich komme gerade von einem beeindruckenden Abend im BRLO Brwhouse zurück, einem Abend, der mich im Nachhinein nachdenklich gestimmt hat. Doch zunächst die Beschreibung:

BRLO ist eine der vielen neuen Craft-Beer-Brauereien Berlins, die nach dem Vorbild der Craft-Beer-Bewegung in den USA Bier nicht industriell brauen, sondern in kleinem Stil mit Handwerk, wobei sie vor allem mit neuen Geschmacksrichtungen experimentieren. BRLO hat sich zudem seit Anfang diesen Jahres am Park am Gleisdreieck eine ziemlich coole Mischung aus Brauerei, Restaurant und Biergarten geschaffen, mit der man auch in Brooklyn punkten könnte: Das BRLO Brwhouse – ein aus etwa 40 übereinander gestapelten Überseecontainern gebautes Brauhaus, das aus einem riesigen Gastraum mit Bar, angeschlossenen Braukesseln und Küche besteht.

Lichtinstallation statt Hopfenkrone

Ausgedacht haben es sich die Architekten von Graft, die schon die Platoon Kunsthalle in Prenzlauer Berg entworfen haben. Wie diese soll auch das Brauhaus nur ein paar Jahre stehen.

Bei meinem Besuch war es brechend voll und laut – interessanterweise ist die Atmosphäre im BRLO der des Hofbräuhauses nicht unähnlich – nur ist es natürlich ultramodern. Statt Hopfenkrone hängt im Gastraum eine abstrakte Lichtinstallation, statt Blasmusik spielen Clubsounds, statt bierseligen Touristen und bärtigen Lederhosenträgern sitzen hier viele Ü35-Lohas, die schon gern nachhaltig leben wollen, aber auch gut aussehen wollen dabei. Die Männer mit Bart, die Frauen stilvoll eingekleidet und zusammen unterhält man sich kennerhaft über den Geschmack des Pale Ale versus des Baltic Porter Beer.

Um es gleich zu sagen: Ich habe wirklich nichts auszusetzen an meinem Abend im BRLO, im Gegenteil: Meine gewählten Biere schmecken. Vor allem aber ist das, was Küchenchef Ben Pommer auftischt, wirklich sagenhaft. Das Short Rib vom deutschen Rind, mit Apfel und Hickory Holz geräuchert, ist aromatisch und butterzart. Ebenso beeindruckend finde ich die Auswahl an Gemüsegerichten, die fermentiert, gesmoked oder in Salzkruste gegart werden und perfekt als Bierbegleiter sind.

Trotzdem erscheint mir mein Abend im BRLO-Brwhouse nachträglich ein wenig zu maßgeschneidert . Mir ist, als hätten viele geniale Trendscouts die Wünsche der Konsumenten zusammengetragen und ihnen einen Ort gegeben. Denn das BRLO ist das perfekte Zeitgeist-Produkt geworden: durchdacht, genussoptimiert, gewissenhaft, regional, politisch korrekt und zweisprachig.

So setzt die deutsch-englische Karte nicht nur alle Produkte in direkte Beziehung zum Hersteller – etwa kommen die Spare Ribs vom „Freilandschwein der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall“. Auch doziert sie auf vielen Seiten über das Brauverfahren und die BRLO-Biere. Ich habe mich für das Tasting Board entschieden, eine Auswahl der fünf Stammbiere. Das klassischste – ein Helles – ist mir das liebste. Ich lerne, dass dafür ausschließlich deutscher Hopfen aus der Hallertau und Tettnang verwendet wird.

Selbstgemacht und regional

Doch so viel Sorgfalt und Liebe zum Detail hat natürlich viel Gutes: Man kann hier davon ausgehen, dass alles selbstgemacht ist und, wenn möglich, ganz aus der Nähe stammt: Sei es die handgerührte Senfcreme auf meinem Knollensellerie aus dem Smoker, der wie ein Bratapfel darin gebacken wurde und mit Apfelmus und gesalzenem Walnusscrumble gelöffelt werden kann. Oder auch der schwarze Knoblauch, mit dem der Koch Ben Pommer das Kartoffelpüree würzt und welchen er im hauseigenen Indoor-Gardening-Container anbaut.

All das schmeckt so gut, dass ich nichts zum Kritisieren finde. Höchstens, dass so ein genussoptimierter, belehrender Anspruch anstrengend sein kann. Zumal man ja vor allem Gast sein will, und kein Bier-Sommelier.

BRLO Brwhouse, Schöneberger Straße 16, Di-Fr ab 17 Uhr, Sa-So ab 12 Uhr, Montag Ruhetag. Reservierungen unter Tel. 0151/74374235.