Restaurant-Kritik "Kreuz und Kümmel" in Berlin-Prenzlauer Berg: Indische Currywurst - schmeckt das?

Über den Zustand der indischen Küche in Berlin habe ich schon oft geklagt. Zu viel Curry, zu viel Sahne, zu viel Salz. In den meisten indischen Restaurants dieser Stadt schmeckt das Essen seit Jahrzehnten gleich, eine Klischee- und Touristenküche, möglichst schnell, möglichst billig, möglichst viel.

Nun ist in Prenzlauer Berg jemand angetreten, um mit diesen Vorurteilen aufzuräumen, etwa, dass Indisch immer indisch schmecken muss, dass es keine fremden Einflüsse, keine Experimente und Ideen verträgt.

Muss Indisch immer indisch schmecken?

Warum nicht mal mexikanische Quesadillas mit indischem Twist? Oder ein Käsekuchen, der nach Mango-Lassi schmeckt? Oder eine hausgemachte Berliner Currywurst auf indisch? Das alles sind Chaitanya Singhs eigene Kreationen. Und um das gleich zu sagen: Es sind fantastische Kreationen.

Kreuz und Kümmel heißt sein Laden. Er mache „hausgemachte Bistroküche mit indischen Einflüssen“, sagt Singh. Das Markenzeichen des sehr gemütlichen Bistros, mit Regalen voller Pflanzen und Büchern, ist, dass Allerweltsgerichte neu interpretiert werden. Chicken Tikka Masala zum Beispiel. Ein indischer Klassiker, von dem allerdings viele behaupten, dass er in Großbritannien erfunden wurde.

Im Kreuz und Kümmel verbindet Singh das Gericht mit einem Grundnahrungsmittel der Italiener: Gnocchi. Die Aromen der Masala-Gewürzmischung – Kardamom, Zimt, Gewürznelken, schwarzer Pfeffer und Kreuzkümmel – finden sich dabei nicht nur in der cremigen Pasta-Soße wieder, sondern auch im Kartoffelteig der Gnocchi, und das keineswegs aufdringlich; Singh geht gekonnt mit indischen Aromen um.

So schmeckt die indische Currywurst

Ich bestelle außerdem den Schweinebauch Vindaloo mit einer Masala Brioche. Vindaloo – die Technik, Fleisch sehr scharf mit Ingwer, Knoblauch und Chili zu marinieren – haben die Portugiesen nach Goa gebracht, 450 Jahre lang die Hauptstadt der Kolonie Portugiesisch-Indien.

Auch hier hat der Koch nur dezent mit der Vindaloo-Schärfe gespielt. Der sous vide gegarte Schweinebauch ist saftig und hat eher ein zartes Bier- und Essigaroma. Die Schärfe ist in der Soße versteckt, die einen weihnachtlichen Hauch von Nelken, Knoblauch und Anis verströmt.

Die Currywurst, die man sich nicht entgehen lassen sollte, stellt Singh aus Schulter- und Bauchfleisch selbst her. Sie ist von grober Textur und schmeckt nach geröstetem Koriander, Ingwer, Zwiebel und – so leid mir das für viele Berliner Frittenbuden tut – deutlich besser als das Original. Dazu gibt es eine süß-salzige Masala-Brioche und selbst gemachten Tomaten-Curry-Ketchup mit Kardamom.

Pur indisch ist nur Khitchari, ein indisches Kindergericht. Ähnlich wie bei uns Milchreis bekämen es in Indien Kinder, wenn sie krank seien, erklärt Singh. Reis und Linsen werden dafür leicht gesalzen und mit etwas Kümmel und süßer Kokosmilch weichgekocht. Singh kombiniert es mit knusprig frittierten Lotuswurzelchips.

Im Kreuz und Kümmel ist das Essen ein Traum

Leider hat das Kreuz und Kümmel bisher nur tagsüber geöffnet. Morgens gibt es Müsli, Kekse, und Kuchen. Bis 21 Uhr ist dann die Bistroküche offen. Doch so genau nimmt es Singh mit der Schließzeit nicht. Weit nach 21 Uhr sitze ich immer noch bei ihm. Er ist ein großartiger Gastgeber, der sich viel Zeit nimmt, den Gästen seine Ideen zu erklären.

Zum Schluss noch ein Wort zu dem fantastischen Cheesecake, der nach Mango Lassi schmeckt – den übrigens die Touristen nach Indien eingeführt haben. Singh sagt, dass ihm die Idee zu diesem Kuchen im Traum kam. Er bäckt ihn selbst wie alles, was es hier gibt, verrührt dafür Frischkäse mit frischem Mangosaft, Safran und Kardamom und verteilt diese luftige Mischung auf einem Butterkeksboden – im Kreuz und Kümmel wahrhaftig ein Traum.

Kreuz und Kümmel, Christburger Straße 13, Prenzlauer Berg, Mo–Fr 8 –21 Uhr, Sa 10–23 Uhr, So und Mo geschlossen,  Telefon: 01732526321