In Ernst Exters Büro in der Charlottenburger Prinzregentenstraße ist der große Konferenztisch festlich gedeckt. Nelly ist zu Besuch. Die internationale Sandwich-Beraterin wohnt in London. Heute morgen ist sie ins Flugzeug gestiegen, hat sich von Exter in Tegel abholen lassen. Dann sind sie zum Wittenbergplatz gefahren. Zu Exters Currywurststand. Nelly hat sich alles genau erklären lassen. Die Bedeutung der Bio-Currywurst für Berlin war ihr bis dahin gar nicht so bewusst gewesen, sagt Exter. Sie hat die Saucen und das Brot gekostet. Und natürlich die Wurst. „Sie hat gesagt, es sei alles top.“

Jetzt steht Nelly in Ernst Exters Büro und soll dabei helfen, Sandwichs für Exters neues Flughafen-Restaurant zu erfinden. Eine blonde Britin, vielleicht Anfang fünfzig. Sie trägt ein graues Seidentuch mit schwarzen Totenköpfen. Dazu hat sie grauen Nagellack aufgetragen. Um sie herum sitzen Exters Currywurst-Kollegen und beobachten sie gebannt. Nelly macht gleich gute Stimmung. Sie sagt, sie habe gerade eine wirklich tolle Idee gehabt. Eine Knaller-Idee. „Wenn ihr Sandwiches verkaufen wollt, dann nehmt am besten das, was ihr kennt, was euch ausmacht, womit die Menschen euch verbinden. Nehmt die Currywurst!“

„Einfach, aber in höchster Qualität“

Exter sitzt da, nickt spontan mit dem Kopf. „Das ist es“, sagt er. „Das hat noch niemand gemacht. Ein Currywurst-Sandwich.“ Nelly lehnt sich zufrieden zurück, lässt ihre Worte wirken. Sie habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass es meistens die ganz einfachen Sachen sind, die am besten funktionieren, sagt sie dann. „Einfach, aber in höchster Qualität.“ Jetzt nicken alle am Tisch. Warum sie da nicht selbst drauf gekommen sind, fragt einer. „Na weil wir keine Sandwich-Berater sind“, sagt Exter.

Nelly erzählt später, dass sie diesen Job jetzt seit zwanzig Jahren mache. Sie war eine der Gründerinnen von „Prêt a manger“, einer Fastfoodkette, die auf Bio-Erzeugnisse setzt und mittlerweile in der ganzen Welt vertreten ist. Nelly sagt, man müsse jedes einzelne Land verstehen, weil es sonst nichts wird. In Hongkong zum Beispiel wollte sie frisch gepressten Saft in ihren Läden verkaufen, bis sie entdeckte, dass die Hongkong-Chinesen am liebsten stark gezuckerte Säfte trinken. Alleine wäre sie da nie drauf gekommen, sagt sie.

Ähnlich sei es hier in Berlin offenbar mit der Currywurst. Das sei schon speziell, sagt sie und lacht in die Runde. Man müsse so ein Sandwich wahrscheinlich mit Tomaten und eingelegten Gurken servieren. Es wäre ein Berliner Ding, ein absolutes Unikat. „Genau das ist unser Weg“, sagt Exter. Er kommt aus dem Nicken gar nicht mehr heraus. Er ist jetzt angekommen in der Sandwich-Welt.