Erneut sollen Rettungskräfte der Feuerwehr in Berlin angegriffen worden sein. Der Einsatz, bei dem die Lage eskalierte, ereignete sich am Sonntagnachmittag in Kreuzberg.

Was sich in der Reichenberger Straße abspielte, dazu gibt es zwei Darstellungen: Nach Angaben der Polizei behandelten zwei Sanitäter in einer Wohnung in der Reichenberger Straße den erkrankten Sohn eines 44-jährigen Mannes. „Offensichtlich nicht mit den Behandlungsmethoden einverstanden, begann der Vater die Beamten zu bedrängen, zu beschimpfen und wurde zunehmend aggressiver“, teilte die Polizei am Montag mit. „Als ein weiterer Sohn, 17 Jahre alt, hinzukam, eskalierte die Situation.“

Weiter heißt es in der Mitteilung: Die Einsatzkräfte, die nunmehr auch von einem Notarzt unterstützt worden seien, hätten sich gegen die Schläge gewehrt, den Einsatz zunächst abgebrochen und sich in ihr Fahrzeug gerettet.

Laut Polizei begleiteten alarmierte Polizeibeamte die Sanitäter zurück in die Wohnung, so dass der Erkrankte dort erstversorgt und dann in eine Klinik gebracht werden konnte. Ein Feuerwehrmann wurde bei dem Einsatz leicht verletzt. Er musste zunächst jedoch nicht medizinisch behandelt werden. Die Gewerkschaft der Polizei äußerte sich trotzdem empört.

„Niemand braucht mir erzählen, dass wir übertreiben, wenn wir von einer unerträglichen Gewalt gegen unsere Kollegen sprechen“, erklärte der Landesvorsitzende Norbert Cioma. „Wenn Menschen bedroht, attackiert und ins Gesicht geschlagen werden, und sich nur durch die Flucht in den Rettungswagen vor weiteren Angriffen schützen können, hat die Eskalation gegenüber Staat und seinen Beschäftigten jede Grenze überschritten.

Feuerwehreinsatz auf Reichenberger Straße eskaliert: Nur ein „bisschen Fieber“?

Nach Darstellung der betroffenen Familie lief das Geschehen anders ab: Die 24-jährige Tochter Enise S. sagt, es sei nicht um etwaige Behandlungsmethoden gegangen. Vielmehr hätten die Rettungssanitäter klar gemacht, dass sie einen Notruf wegen „ein bisschen Fieber“ für völlig übertrieben hielten. „Als wir uns darüber lautstark beschwert haben, sind die beiden Männer wieder gegangen“, sagt die Frau.

Erst dann habe sie ihren getrennt von der Familie lebenden 44-jährigen Vater angerufen. Dieser sei keineswegs in der Wohnung sondern erst unten auf der Straße auf die Einsatzkräfte getroffen. Dass er einen der Feuerwehrmänner geschlagen habe, streitet die Tochter weder ab, noch will sie „das schön- oder kleinreden“, wie sie sagt. Ihr jüngerer Bruder habe die Männer nur trennen wollen, versichert die Frau.

Die Familie sei sehr froh gewesen, dass ein zweiter Krankenwagen vor dem Haus hielt. In diesem sei eine Notärztin gekommen. Diese sei im Gegensatz zu den Sanitätern, die den Einsatz nun abbrachen, sehr freundlich gewesen. Sie habe entschieden, den kranken Jungen, der schon seit zwei Tagen mit über 40 Grad Fieber im Bett gelegen habe, sofort in ein Krankenhaus zu bringen. Dort sei dann eine schwere Infektion festgestellt worden, die nun mit Antibiotika behandelt werde.

Jetzt ermittelt die Polizei wegen tätlichen Angriffs gegen den 44-Jährigen und seinen 17-jährigen Sohn, die deutsch-türkische Familie hat ihrerseits einen Anwalt eingeschaltet.

Die Polizei reagierte am Montag auch über ihr Social-Media-Team. „Hey @Berliner_Fw“, twitterte sie, „Folgende Begrüßungsformeln für uns als Idee: Wir kommen, um zu helfen. Es wäre freundlich, wenn Sie uns nicht angreifen“.

Feuerwehreinsatz auf Reichenberger Straße eskaliert: Pöbeleien und Attacken

Immer wieder gehen bei der Feuerwehr Notrufe wegen Lappalien ein. Selbst wegen Schnupfen oder Einsamkeit wird die 112 gewählt. Zudem berichten Feuerwehrleute immer wieder von Übergriffen und Beleidigungen gegen Rettungskräfte. Genaue Zahlen hat die Feuerwehr noch nicht. In der Vergangenheit wurden Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe oft nicht angezeigt, weil sich die Retter auf die Versorgung der Kranken und Verletzten konzentrierten. Wegen der vermehrten Übergriffe sind die Feuerwehrleute seit einigen Monaten gehalten, jede Attacke anzuzeigen.

Die Polizei führt dagegen schon länger Buch. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem ersten Halbjahr 2018. Die Innenverwaltung erfasste in dem Zeitraum 3 425 tätliche Angriffe auf „Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“.

Feuerwehreinsatz auf Reichenberger Straße eskaliert: Polizei meldet Angriff auf Zivilbeamte

Auch am Montag meldete die Polizei einen Angriff auf Beamte. Demnach hatten in der Nacht zuvor in Mitte drei Männer Zivilpolizisten einer Hundertschaft attackiert. Kurz vor Mitternacht seien die Beamten auf der Karl-Liebknecht-Straße unterwegs gewesen, als drei Männer bei Rot über die Straße liefen, so dass die Polizisten eine Vollbremsung einleiten mussten. Nachdem sie sich als Polizisten zu erkennen gaben und die drei aufforderten hätten, sich auszuweisen, habe ein 29-Jähriger gegen das Polizeiauto getreten und in Richtung der Polizisten geschlagen. Nachdem weitere Beamte zur Unterstützung kamen, setzten diese Pfefferspray ein und nahmen zwei der Männer vorläufig fest.

Rettungskräfte der Feuerwehr behandelten die beiden, die eine Augenreizung hatten. Der dritte konnte laut Polizei fliehen. Die beiden 29- und 46-Jährigen kamen zur erkennungsdienstlichen Behandlung in eine Gefangenensammelstelle. Insgesamt seien vier Beamte leicht verletzt worden. Sie seien jedoch im Dienst verblieben. (mit pde.)