Rhinstraße: Kraftwerk-Gucken in Marzahn

Seit Mittwoch heißt das Heizkraftwerk an der Rhinstraße offiziell nach seinem Standort: Marzahn. 1978 in Betrieb gegangen, wurde es bis dato Heizkraftwerk Lichtenberg genannt – obwohl dieser Teil der Rhinstraße schon seit 1979 zum damals gegründeten Bezirk Marzahn gehörte. Der Name Heizkraftwerk Marzahn war für Alexander Jung, den Vattenfall-Generalbevollmächtigten für Berlin, deshalb längst überfällig. Auf dem Gelände des alten Kraftwerkes will der schwedische Konzern für 500 Millionen Euro ein hocheffizientes Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk errichten. „Der Ort steht für die Vergangenheit und die Zukunft der Energieerzeugung in Berlin“, sagte Jung am Mittwoch zur Eröffnung eines Besucherzentrums an der Rhinstraße 70.

2000 Briefe verschickt

Dort können sich Interessierte jetzt jeden Mittwoch von 14 bis 18 Uhr über die Kraftwerksplanungen informieren. Am kommenden Sonnabend sind von 13 bis 18 Uhr Anwohner in das Zentrum eingeladen, rund 2 000 Briefe an Kunden hat Vattenfall dafür verschickt. Denn das Unternehmen, das zuletzt mit dem Energie-Volksentscheid in Berlin in der Kritik stand, will für Transparenz und Akzeptanz seiner Planungen sorgen.

Das alte Heizkraftwerk an der Rhinstraße, das im Verbund mit dem Kraftwerk Klingenberg den Osten der Stadt mit Fernwärme versorgte, genügte nicht mehr den Ansprüchen an eine effiziente und umweltschonende Energieerzeugung. Deshalb hat es Vattenfall bereits 2010 vom Netz genommen, im darauffolgenden Jahr begann der Rückbau nicht mehr benötigter Anlageteile. Ab Mai 2012 wurde der 160 Meter hohe Schornstein Stück für Stück abgetragen. Der entstandene Platz soll für den Neubau, der mit Erdgas betrieben werden wird, genutzt werden. „Vom alten Kraftwerk blieben nur sechs der neun großen Heißwassererzeuger“, sagt Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann. Diese ähneln riesigen Boilern. Sie seien nicht dauerhaft in Betrieb, sondern lieferten nur in Spitzenzeiten Wärme ins Netz, so Hönemann.

Derzeit laufen die Planungen für das neue Kraftwerk. Der Siegerentwurf eines Gestaltungswettbewerbes, den der Energieerzeuger gemeinsam mit dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf nach einer europaweiten Ausschreibung durchgeführt hatte, wird überarbeitet. Das Kraftwerk soll sich harmonisch in das bestehende Stadt- und Landschaftsbild einfügen, war Auflage des Bezirks. 2014 soll das Bauprojekt ausgeschrieben werden, 2015 beginnen die ersten Arbeiten. Nach etwa dreijähriger Bauzeit wird die Anlage voraussichtlich im Jahr 2018 ans Netz gehen.

CO2 -Ausstoß senken

Der Bau des neuen Heizkraftwerkes gehört zur Strategie des Landes Berlin, bis 2020 die Kohlendioxid-Emission um 40 Prozent zu verringern. Dazu haben der Senat und Vattenfall im Jahr 2009 eine Klimaschutzvereinbarung abgeschlossen. Das Unternehmen verpflichtet sich darin, den CO2 -Ausstoß um die Hälfte zu senken (gemessen an den Daten von 1990). Das soll durch die Modernisierung des gesamten Kraftwerksparks in der Hauptstadt gelingen.

Nicht nur der Neubau in Marzahn ist dabei vorgesehen, auch in Klingenberg und Lichterfelde sollen umweltfreundlichere und effektiver arbeitende Kraftwerke entstehen. Dafür gibt es allerdings noch keine konkreten Termine. „Bis 2020 soll das aber auch geschafft sein“, sagt Sprecher Hönemann. Vattenfall hatte 2012 den Start für die Projekte verschoben. Am Mittwoch betonte Bevollmächtigter Jung: „Die Umsetzung erfolgt in turbulenten Zeiten der Finanzkrise und Energiewende.“ Deshalb habe Vattenfall seine mittelfristige Finanzplanung überarbeiten müssen.

Schon im Probebetrieb läuft seit Dienstag das neue Biomasse-Kraftwerk im Märkischen Viertel. Dieses wird künftig rund 35 000 Haushalte dort versorgen. Die Heizkraftwerke Marzahn und Klingenberg werden in 600 000 Haushalte im Berliner Osten Wärme liefern. Insgesamt will Vattenfall bis 2020 zur Modernisierung seiner Anlagen in der Hauptstadt rund zwei Milliarden Euro einsetzen.