Lehrer dürfen das Mobiltelefon eines Schüler tagelang einziehen – und zwar auch über das Wochenende. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin nun in einem richtungsweisenden Urteil entschieden. Der Schüler hatte in dem Handy-Entzug über das Wochenende eine Verletzung seiner Grundrechte gesehen, seine Eltern hatten deshalb vor Gericht geklagt.

Doch die Richter urteilten nun, dass dies keinen schwerwiegenden Grundrechtseingriff darstellt. „Die fehlende Gebrauchsmöglichkeit des Handys über das Wochenende greift auch nicht in das elterliche Erziehungsrecht ein“, sagte Gerichtssprecher Stephan Groscurth.

Täglich werden an Berliner Schulen zahlreiche Mobiltelefone eingezogen. Weil Schüler im Unterricht damit gespielt oder gegen das Handy-Verbot an ihrer Schule verstoßen haben. So war es auch im konkreten Fall, der sich am Grünen Campus Malchow, einer Gemeinschaftsschule ganz im Norden des Bezirks Lichtenberg, zutrug.

Der Schüler hatte nach Angaben seines Lehrers unter der Schulbank mit dem Handy gespielt, der Schüler hingegen gab an, dass das Mobiltelefon lediglich in seiner Hosentasche vibriert habe. Jedenfalls nahm ihm der Klassenleiter das Handy ab. Die umgehende Rückgabe des Gerätes an den Schüler lehnte dann der stellvertretende Schulleiter ab, woraufhin das Handy über das Wochenende im Sekretariat in einer Schublade eingeschlossen wurde. Am Montag musste die Mutter des Jungen mit dem Auto zur Schule fahren, um das Telefon wieder in Empfang zu nehmen.

Über das Wochenende „plötzlich unerreichbar“ 

Die Eltern beklagten nun, dass ihr Sohn sich durch den angeordneten Handy-Entzug in seiner Ehre verletzt und gedemütigt fühlte, weil die Mutter es für den damals 16-Jährigen habe abholen müssen. Zudem sei er über das Wochenende „plötzlich unerreichbar“ gewesen, was Erziehungsrecht verletzt habe und auch in das Grundrecht der allgemeinen Handlungsfreiheit eingegriffen habe.

Der Vorfall ereignete sich bereits vor zwei Jahren, danach hat der mittlerweile 18-Jährige die Schule gewechselt. Tobias Barthl, Schulleiter des Grünen Campus Malchow, sagte im Gespräch mit der Berliner Zeitung, das auf Initiative der Gesamtelternvertretung bereits vor Jahren ein Handyverbot in der Hausordnung der Schule verankert worden sei. „Zum Schutz der Schüler“, so Barthl. „Es ist sehr bedenklich, wie viel problematische Inhalte im Internet zu finden sind, auch Verunglimpfungen der Schüler untereinander.“ Nur in Ausnahmefälle wie etwa bei bestimmten Projekten könne das Handy genutzt werden.

Solche strikten Handyverbote gibt es mittlerweile an vielen weiterführenden Schulen. Mitunter dürfen Schüler immerhin noch in ausgewählten „Handy-Inseln“ ihr Smartphone nutzen.

Berlins oberste Schülervertreter fordern indes „die Aufhebung aller Handyverbote an Oberschulen“, wie es in einer Resolution des Landesschülerausschusses heißt. Nur im Einzelfall sollten Lehrer weiterhin die Kompetenz haben, die Handynutzung zu unterbinden. Ein eventueller Entzug des Gerätes dürfe aber maximal bis zum Ende des Schultages erfolgen. „Schüler müssen einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien erlernen und dadurch medienmündig werden“, fordert Landesschülersprecher Konstantin Gülden.

Smartphone für Klassen-Chat

Tatsächlich scheinen viele Teenager fest mit dem Smartphone verwachsen zu sein. Schon ältere Grundschüler kommunizieren in Klassen-Chats, ohne sozialen Netzwerke wie Snapchat oder Instagram, in denen sie sich selbst inszenieren, können viele fast nicht mehr auskommen. Auch Musik, Videos oder Spiele werden übers Smartphone aufgerufen.

Im konkreten Fall ging es um eine Feststellungsklage, das heißt: Die Kläger müssen ein besonderes Interesse haben. Da der Schüler die Schule bereits verlassen hatte, habe das Gericht auch das besondere Interesse nicht feststellen können, sagte ein Sprecher.