Sich mit anderen Fahrgästen in einem Auto durch die Stadt fahren lassen, preiswerter als im Taxi: Das ist Ridesharing. Es ist eine neue Art der Fortbewegung, die auch in Berlin immer mehr Freunde findet. Darum will der erste Anbieter in der Hauptstadt, die Firma GHT Mobility, seine Clever-Shuttle-Flotte verfünffachen. „Wir haben einen Antrag eingereicht“, berichtet Marketingchefin Nora Erdbeer. Doch Leszek Nadolski von der Innung des Taxigewerbes fordert: „Wir empfehlen dringend, die Genehmigung zu versagen.“

Die Idee zu dem neuen Fahrdienst kam den drei Freunden vom Walter-Rathenau-Gymnasium, als einer beim Grillen von seinen jüngsten Erfahrungen im Nahverkehr berichtete. Auf der U 6 fuhren keine Züge, es gab Schienenersatzverkehr.

Ridepooling mit mehreren Fahrgästen

Der junge Mann nahm aber lieber ein Taxi, um die Lücke zu überbrücken – und stellte fest, dass er nicht der einzige war. Fast jeder hatte ein Taxi für sich allein, alle fuhren in dieselbe Richtung. Eine Frage kam auf: Ließe sich das nicht wirtschaftlicher und billiger für die Nutzer gestalten?

So gründeten Bruno Ginnuth, Jan Hofmann und Slava Tschurilin einen Fahrdienst, der nach dem Prinzip Ridesharing oder Ridepooling arbeitet. Wer mitfahren will, gibt in einer App die Strecke ein. Ein Computer koordiniert die Wünsche und sorgt dafür, dass die Autos jeweils von mehreren Fahrgästen gemeinsam genutzt werden – was Kosten senkt und Straßen entlasten soll. Der Name des Unternehmens, GHT Mobility, entstand aus den Nachnamen der Gründer. Die Autos nannten sie Clever Shuttle.

Einsatzgebiet bis Karlshorst

Heute ist der Fahrdienst in sieben deutschen Städten unterwegs. In Berlin, wo es ihn seit 2016 gibt, wurde die Zahl bereits von zehn auf 30 erhöht. Alle Autos fahren mit Ökostrom. Eingesetzt werden der Nissan Leaf 1 und der Nissan Evalia, der mit sechs Sitzplätzen für Fahrgäste größer ist. Am Steuer sitzen Angestellte mit Personenbeförderungsschein.

„Doch die Nachfrage steigt immer weiter – in einem Maße, dass wir bis zu 50 Prozent der Fahrtwünsche nicht erfüllen können“, sagt Fabio Adlassnigg. Er ist Sprecher des Unternehmens in Mitte, das heute zu 79 Prozent der Deutschen Bahn gehört. Für die Zahl der Autos sei das Einsatzgebiet, das 300 Quadratkilometer umfasst, sehr groß. Es reicht weit über die Ringbahn hinaus – bis Karlshorst, Weißensee, Lichterfelde.

65.000 Fahrten mit dem Berlkönig

Um nicht mehr so viele Kunden enttäuschen zu müssen, soll die Zahl der Elektroautos nun möglichst bald von 30 auf 150 steigen. Dazu wäre die Genehmigung, die nach der Erprobungsklausel des Personenbeförderungsgesetzes erteilt wurde und bis August 2020 gilt, zu erweitern. So lautet der Antrag an das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, kurz Labo genannt.

Klar: Mit Bussen und Bahnen sind viel mehr Menschen unterwegs. Klar ist aber auch, dass Ridesharing-Dienste immer stärker genutzt werden. So wurden mit dem Berlkönig, der seit September in der östlichen Innenstadt unterwegs ist, bereits rund 65.000 Fahrten absolviert, sagte Petra Reetz von den Berliner Verkehrsbetrieben. Aktuell haben 90 Mercedes-Fahrzeuge die Konzession, geplant sind bis zu 300. Die App wurde rund 75.000 Mal geladen.

Mehr Autos auf den Straßen

Auch der Allygator Shuttle des Berliner Unternehmens Door2Door befördert Fahrgäste im Ridesharing durch Berlin. Das US-Unternehmen Uber will im kommenden Jahr folgen – mit Uber-Green-Elektroautos.

Die Taxibranche hat rechtliche Bedenken. So gebe es keinen Anlass, die aufgrund der Erprobungsklausel erteilte Genehmigung zu erweitern, solange keine Ergebnisse der Erprobung vorliegen, hieß es. „Das Argument der Umweltfreundlichkeit und der Reduzierung des Autoverkehrs ist entkräftet“, ergänzte Innungschef Nadolski.

Forschungen aus den USA zeigten, dass Ridesharing-Dienste anders als angepriesen den Autoverkehr nicht verringern – im Gegenteil. Die meisten Nutzer hätten früher Busse, Bahnen oder Taxis genutzt.