Berlin - Billiger geht es nicht. Der Berliner Fahrdienst Allygator Shuttle kann ab sofort gratis genutzt werden. Registrierte Kunden, die per App buchen, werden am Wochenende abends und nachts innerhalb des S-Bahn-Rings kostenlos befördert.

Das Gratis-Angebot gilt für die dreimonatige Pilotphase einer Zusammenarbeit, die am Freitag per Vertrag besiegelt wurde. Das Unternehmen Door2Door, das den Fahrdienst seit August 2016 betreibt, kooperiert ab sofort mit dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). „Uns ist es wichtig, Erfahrungen zu sammeln, wie neue Mobilitätsangebote im urbanen Umfeld funktionieren“, sagte ADAC-Geschäftsführer Alexander Möller.

Ein Alligator ist das Erkennungszeichen. Auf den 25 Fahrzeugen der Hersteller Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz schaut das Reptil frech aus dem O. Selbstbewusst treten auch die Betreiber auf. Für sie ist Ridesharing ein Modell für den Stadtverkehr der Zukunft – auch wenn sich damit noch nicht viel Geld verdienen lässt.

„Wir sind davon überzeugt, dass es eine der nachhaltigsten und zukunftsträchtigsten Formen der öffentlichen Mobilität darstellt“, sagt Tom Kirschbaum, Gründer und Geschäftsführer von Door2Door. Das einstige Start-up, das bereits 100 Menschen beschäftigt, hat die App und den Algorithmus entwickelt.

Ohne Fahrplan, ohne feste Routen

Doch was ist das überhaupt – Ridesharing? Das englische Wort bedeutet: eine Fahrt teilen. Anders als im Taxi muss man damit rechnen, dass noch jemand anders zusteigt und dass ein Umweg gefahren wird, um die Mitfahrer ans Ziel zu bringen.

Der Fahrdienst wird freitags und sonnabends von 17 bis 1 Uhr betrieben. Einen Fahrplan, feste Haltestellen und vorgeschriebene Linien gibt es nicht. Start und Ziel müssen innerhalb des S-Bahn-Rings liegen. Wer mitfahren will, lädt sich die Allygator-App aufs Mobiltelefon. Der Buchungscomputer koordiniert die Fahrtwünsche und versucht, in den 25 Autos (davon drei elektrisch) möglichst viele Fahrgäste zusammenzubringen – um Kapazitäten, Sprit und damit Kosten zu sparen.

Bisher mussten die Nutzer einen symbolischen Fahrpreis entrichten: fünf Cent pro Kilometer. Damit deckte der Shuttle auch bislang die Kosten nicht. Das war so geplant. Weil keine Gewinne erzielt werden sollen, ist keine Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz nötig – was bei der Rechtslage auch knifflig geworden wäre. Alle Shuttle-Fahrer haben aber einen P-Schein, wie ihn auch Taxifahrer besitzen.

Mobilität verändert sich

Die Zusammenarbeit mit dem ADAC ermöglicht es nun, den Fahrdienst allen Nutzern kostenlos anzubieten. Der Verband, der allein in Berlin und Brandenburg 1,3 Millionen Mitglieder hat, steuert einen ungenannten Betrag aus dem Marketingbudget bei.

Besser als eine Imagekampagne könne die Kooperation vermitteln, „dass wir nicht nur Pannenhelfer, sondern auch Mobilitätshelfer sind“, sagte Möller. „Auch wir sehen, dass sich Mobilität verändert.“ Anders als früher ist es für junge Leute in Großstädten nicht mehr wichtig, sich einen eigenen Pkw anzuschaffen. Das Angebot soll Menschen unter 40 ansprechen, auch solche ohne Privatauto.

In Berlin bietet Clever Shuttle ebenfalls Ridesharing an – anders als Allygator nur mit Elektroautos und in einem größeren Gebiet. Die knapp 30 E-Autos können an allen Tagen gebucht werden – ab 10 Uhr.

Zahl der Nutzer ist begrenzt

Auch Daimler und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen nun in diesen Markt. Die zunächst 50, später 300 „Berlkönige“ sollen abends und an Wochenenden durch Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain-Kreuzberg fahren. Die Fahrpreise werden zwischen dem Taxi- und dem BVG-Tarif liegen. Im Frühjahr soll es losgehen. Aber noch hat das zuständige Landesamt den „atypischen Verkehr“ nicht genehmigt. Das bestätigten BVG und Senat. 

Ridesharing ist ein neuer Trend in einer Szene, die experimentiert. Kritiker bemängeln, dass „Berlkönige“ mit Diesel fahren werden, und dass sich Ridesharing auf das Zentrum konzentriert. Auch in Außenbezirken müsse es so etwas geben.
In vier Wochen wollen der ADAC und Door2Door eine erste Bilanz ziehen. Die Nachfrage dürfte schon bald größer als das Angebot sein. Die Anzahl an verfügbaren Registrierungscodes ist begrenzt, hieß es.