Starke Drohungen aus der linksautonomen Szene kennt man. Unliebsamen Personen wurden in der Vergangenheit schon „robuste pädagogische Maßnahmen“ oder der Tod angedroht. Nun ist Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) dran.
Der Dienstherr über die Polizei ist das Hassobjekt der linken Szene. Auf der Internetseite Indymedia gibt es einen – man kann es so nennen – Mordaufruf.

„Bei Räumung 1 Millionen Sachschaden und Henkel im Kofferraum!“

Linksradikale befürchten, dass ein ehemals besetzes Haus in der Rigaer Straße in Friedrichshain und weitere Objekte bald geräumt werden. Deshalb rufen Unbekannte dazu auf, „mit allen Mitteln“ die Räumungen zu verhindern. Der Aufruf, der von „Autonome Gruppen“ unterzeichnet wurde, endet mit der Parole: „Bei Räumung 1 Millionen Sachschaden und Henkel im Kofferraum!“ Die Polizei sieht eine Anspielung auf den von der Roten Armee Fraktion ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer, dessen Leiche 1977 in einem Kofferraum gefunden wurde.

Die Polizei leitete bisher kein Ermittlungsverfahren ein. Ein Sprecher sagte, der Staatsschutz prüfe derzeit die strafrechtliche Relevanz des Aufrufs. Und Innensenator Frank Henkel sagte der Berliner Zeitung: „Ich lasse mich nicht einschüchtern.“ Einen ähnlichen Schleyer-Bezug gab es schon bei einer Drohung gegen den früheren SPD-Innensenator Ehrhart Körting und gegen einen Redakteur des Tagesspiegels, dem bei einer Demo ein Sprechchor entgegenschallte: „Bald liegst du im Kofferraum!“

Hintergrund der seit einigen Tagen anschwellenden Kampagne gegen Henkel ist die Befürchtung der Szene, dass das Wohnprojekt „Rigaer 94“ wegen unzureichenden Brandschutzes geräumt werden könnte. An diesem „Tag X“ soll Berlin brennen, wie die Autonomen prahlen.

Im Januar hatten Polizisten das Haus gestürmt, nachdem in der Nähe ein Beamter angegriffen wurde, der Knöllchen verteilte. Die Polizei, die mit 500 Beamten im Einsatz war, fand bei einer Durchsuchung Wurfgeschosse.

Eine Räumung des Hauses könnte das Bezirksamt veranlassen. Der Besitzer des Hauses heißt es, mache sich Sorgen um den Brandschutz. Die Polizei stellte schon bei ihrer Erstürmung fest, dass die Treppenhäuser und Wohnungen verbarrikadiert sind. Das widerspricht der Brandschutz-Verordnung.