Eine Woche nach den gewalttätigen Ausschreitungen bei einer Demonstration der Hausbesetzer-Szene wurde im Samariterviertel in Friedrichshain erneut demonstriert. Etwa 250 Leute zogen am Samstagnachmittag durch das Viertel, anders als vor einer Woche waren es allerdings Anwohner, die zur Demonstration aufgerufen hatten.

Ihr Protest richtet sich gegen das Bauvorhaben an der Rigaer Straße 70/73, wo in den kommenden Jahren 133 neue Wohnungen entstehen sollen sowie eine Tiefgarage für 70 Fahrzeuge. Gesamtinvestionsvolumen: 37 Millionen Euro. Die Miete der Wohnungen im neuen Carreé Sama Riga soll bei 11 bis 13 Euro kalt liegen. Die alten Gebäude, die dort standen, wurden in den vergangenen Tagen abgerissen.

„Das ganze Viertel verändert sich“, sagte Anwohner Peter Fischer, der seit mehr als zehn Jahren dort wohnt. Weil die Mieten steigen, müssten immer mehr alteingesessene Geschäfte schließen, dafür entstünden Spätverkaufsstellen und Imbisse. „Das klingt immer alles so gut – rund um die Uhr geöffnet und so“, sagte Fischer. Aber man müsse sich auch mal fragen, unter welchen Bedingungen die Mitarbeiter dieser Geschäfte arbeiten müssten. „Da entstehen ganz besonders schlecht bezahlte Jobs.“

„Keine Rendite mit der Miete“

Wenn in der Vergangenheit die Rede gewesen sei von der Rigaer Straße, sei es stets um die ehemals besetzten Häuser gegangen, so der Anwohner. „Aber wir wohnen auch hier, und wir haben auch Probleme.“ Und so lautete einer der Hauptslogans der Demonstration auch „Keine Rendite mit der Miete“. Wer hier kaufe, sagte Fischer, der kaufe auch Ärger.

Wie der aussehen kann, ist derzeit am langen Holzzaun der CG Gruppe zu sehen, der seit einigen Tagen steht und das Gelände schützt: Er ist vollgeklebt mit Plakaten mit dem Slogan „Die Rigaer Straße hat keinen Bock auf das neue Carré Sama Riga“. Zudem heißt es auf einem großen Bauschild, das definitiv nicht vom Investor stammt: „CG Gruppe informiert: Wir scheissen auf den Kiez. Es zählt nur der Profit.“

Begleitet wurde der Demonstrationszug von zahlreichen Polizisten, der Rundgang durchs Viertel verlief friedlich.