Mit einer großen Demonstration demonstrierte die linksradikale Szene in Berlin-Friedrichshain am Samstagabend gegen die Polizeipräsenz in der Rigaer Straße. Unterstützt wurde sie dabei auch von Anwohnern und Sympathisanten.

Am 22. Juni dieses Jahres waren einige Räume des Gebäudes Rigaer Straße 94 sowie eine illegal betriebene Kneipe im Erdgeschoss von der Polizei geräumt worden. Das sorgte in der linksradikalen Szene für Aufruhr. Seit Wochen gibt es fast in jeder Nacht Brandanschläge auf Autos, die Extremisten zugeschrieben werden.

Am Samstagabend startete vor diesem Hintergrund die Demonstration „Solidarität mit der Rigaer 94“. Die Berliner Polizei wollte den Protestmarsch mit einem großen Aufgebot begleiten, um Gewaltausbrüche zu verhindern. Das gelang nicht ganz.

Lesen Sie hier die Ereignisse vom Samstagabend in der Chronik:

23:15 Uhr:

Die Bilanz bisher: Mehrere Polizisten wurden durch Stein- und Flaschenwürfe verletzt. Auto- und Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. Die Polizei nahm mehrere mutmaßliche Randalierer fest.  Genaue Zahlen lagen am Samstagabend aber noch nicht vor. Nachdem zunächst eine Zwischenkundgebung an der Rigaer Straße 94 als Vorsichtsmaßnahme abgesagt wurde, ist laut Polizei gegen 23:10 Uhr nun auch der Protestzug von der Demonstrationsleitung für beendet erklärt worden.

Die Atmosphäre ist weiter aufgeheizt, Sprechchöre sind in den Straßen zu hören. In Höhe der Revaler Straße mischt sich auch Partyvolk auch unter die Demonstranten, die vorerst aber nicht nach Hause gehen wollen.

Die weiteren Ereignisse der Nacht lesen Sie am Sonntagmorgen auf www.berliner-zeitung.de.

22:57 Uhr

Der Protestzug erreicht die Warschauer Straße. Auf der etwas breiteren Straße geht es nun wieder etwas zügiger voran. Die Menge skandiert weiter Parolen wie "Henkel muss weg" und "Bullenschweine raus aus der Rigaer".

22:47 Uhr

Immer mehr Menschen stoßen vom Seitenrand zur Menge. Dadurch ist die Demo auf deutlich über 2000 Teilnehmer angewachsen.

22:40 Uhr

Die Polizei bestätigt erste Festnahmen. Neben Flaschen und Böllern werden auch weiter Steine auf Polizisten geworfen. Auch seien Autoscheiben zu Bruch gegangen.

Die Zwischenkundgebung vor der Rigaer Straße 94 wird aufgrund der aggressiven Grundstimmung definitiv nicht stattfinden. Zudem steht die Abschlusskundgebung auf dem Stralauer Platz auf der Kippe. Die Polizei bezweifelt, dass der Demonstrationszug über die volle geplante Strecke von acht Kilometern ziehen wird.

22:35 Uhr

Verwirrung über die Auflösung der Demonstration. Ein Ordner hatte über einen Lautsprecher versehentlich das vorzeitige Ende der Versammlung verkündet. Nach kurzen Irritationen setzt der Zug seinen Weg fort.

22:31 Uhr

Die Lage wird unübersichtlicher. Warum der Zug ins Stocken gerät ist ebenso unklar, wie die Absage der Zwischenkundgebung an der Rigaer Straße 94.

22:19 Uhr

Der Protestzug gerät ins Stocken. Kurz vor der Rigaer Straße 94 geht es nicht mehr weiter. Es kommt vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Auf den Dächern der Nachbarhäuser stehen Menschen und schießen vereinzelt weiter Pyros ab. Die Stimmung ist zumehmend aufgeheizt.

22:03 Uhr

Der Marsch ist an der Ecke Rigaer Straße/Liebigstraße angekommen. Laut Polizeisprecher Wentzel macht sich mit einbrechender Dunkelheit eine "deutlich aggressivere, polizeifeindlichere Stimmung" breit. Im Bereich der Proskauer Straße flogen vereinzelt Steine auf Beamte und Einsatzwagen.

Nach der letzten Schätzung durch die Polizei sind etwa 1500 Demonstranten anwesend. Am Marsch selbst sind 650 Polizisten im Einsatz. Der Rest der insgesamt 1800 Beamten verteilt sich auf den angrenzenden Bereich.

Zudem wurde die am Haus in der Rigaer Straße 94 geplante Kundgebung abgesagt. Die Gründe dafür sind zurzeit noch unklar.

21:50 Uhr

Nachbarn und Anwohner aus der Rigaer Straße wollen derweil einen Runden Tisch einberufen und nach Lösungen für die Auseinandersetzungen suchen. „Wir wünschen uns eine Deeskalation der Situation in unserer Nachbarschaft rund um die Rigaer Straße 94, die hier zu Lasten aller Bewohner stattfindet“, schrieben mehrere Anwohner in einer Mitteilung am Freitag.

Der Runde Tisch solle von einem professionellen Streitschlichter moderiert werden. Teilnehmen sollten Nachbarn, Bewohner der Rigaer Straße 94, die Polizei, die Senatsinnenverwaltung, der Bezirk und eine „Kiez-Versammlung“ als Instanz der Anwohneranliegen.

Die Nachbarn wünschen sich einen Dialog über eine Reduzierung der polizeilichen Maßnahmen und Lösungen, um den Ausnahmezustand zu beenden.

21:46 Uhr

Vereinzelt werden im Demonstrationszug Pyros gezündet. Mittlerweile befindet sich der Protestmarsch auf der Proskauer Straße.

21:31 Uhr

Inzwischen ist der Protestzug in der Frankfurter Allee angekommen.

21:25 Uhr

Nach zähem Beginn hat sich die Teilnehmerzahl kurz vor Beginn des Demonstrationszuges deutlich erhöht.

21:13 Uhr

Die Demo "Solidarität mit der Rigaer 94" marschiert los. Ersten Angaben zufolgen wird die Teilnemehrzahl auf rund 1000 geschätzt.

21:02 Uhr

Der Demozug formiert sich.

21:00 Uhr

"650 Polizisten begleiten den Aufzug , Stadtweit sind 1800 Polizisten im Einsatz", bestätigt Polizeisprecher der Berliner Polizei Winfrid Wenzel unserer Zeitung. Und weiter: "Wir hoffen dass es friedlich bleibt." 

Die Demo-Route ist - falls sie bis zum Ende durchmarschiert wird - acht Kilometer lang. Außerdem ist eine Kundgebung vor dem Haus in der Rigaer Straße 94 geplant. 

20:58 Uhr:

Die Berliner Polizei erhält bei diesem Einsatz Unterstützung aus Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und von der Bundespolizei, um Krawalle und Brandanschläge zu unterbinden.

20:53 Uhr

Innensenator Frank Henkel (CDU) kündigte im Vorfeld bereits an, dass die Polizei auch in der Nacht nach der Demonstration präsent sein werde.

20:35 Uhr

Inzwischen haben sich etwa 150 Menschen versammelt. Das Auto mit den Lautsprechern ist eingetroffen.

Ein Demonstrant mit einem alkoholfreien Radler in der Hand erklärt warum er am Wismarplatz ist:

"Henkel dreht durch, da muss man ein Zeichen mit dieser Demonstration dagegen setzen. Der Konflikt um die Rigaer Straße bringt das Problem der Gentrifizierung zu Tage."

20:30 Uhr

Die Demonstration soll am Wismarplatz starten. Dann geht es über die Boxhagener Straße, Scharnweberstraße, Voigtstraße, Proskauer Straße, Liebigstraße, Frankfurter Allee, Mühlenstraße zum Stralauer Platz am Ostbahnhof.

20:25 Uhr

Wie viele Menschen an der Hauptdemonstration gegen Polizeipräsenz teilnehmen werden, ist noch unklar. Obwohl zur Hauptveranstaltung die Veranstalter mit lediglich 200 Teilnehmern rechnen und auch angemeldet haben, gingen die Sicherheitsbehörden im Vorfeld von bis zu 5000 Teilnehmern aus.

Mit Bildern von brennenden Autos, zerschlagenen Scheiben und zündenden Böllern aus der Randaliererszene in Deutschland, Frankreich und Griechenland mobilisieren Linksextremisten in einem Video zu den Demonstrationen im Kiez um die Rigaer Straße

20:18 Uhr

Langsam füllt es sich. Vereinzelt kontrolliert die Polizei Menschen, die sich sich zum Wismarplatz begeben. Zurzeit sind ca. 70 Personen vor Ort.

20:10 Uhr

Die Polizei ist bereits mit einem Großaufgebot vor Ort. Insgesamt sind laut Polizeisprecher 1800 Polizisten im Einsatz, um die Demonstration rund um die Rigaer Straße in Friedrichshain zu begleiten und Präsenz in anderen Stadtteilen zu zeigen. 

Schon am frühen Abend standen Dutzende Mannschaftswagen in Friedrichshain. Der Demonstrationszug, der sich gegen Polizeieinsätze rund um die von Autonomen bewohnten Häuser in Friedrichshain richtet, sollte gegen 21.00 Uhr starten.

20:00 Uhr

Am Samstagvormittag ist auf der unter Linksextremen beliebten Internetseite "indymedia" eine Stellungnahme unter dem Titel "Autonome Gruppen zum Verhandlungsvorschlag von Müller / Lauer" veröffentlicht worden. Darin heißt es: 

"Zur Initiative von Müller und Lauer

Niemand von uns wird mit Vertreter/innen des Staates verhandeln. Wenn Politiker den Innensenator jetzt auffordern, mit „Linksextremen“ Gespräche zu führen, gibt es dafür keine Grundlage." 

Direkt im Anschluss wird dennoch darauf hingewiesen, dass es möglich sein könnte, dass zukünftig auf Brandanschläge verzichtet werden könnte. Die Einstellung der "Tag X Aktivitäten" wie die Verfasser Brandanschläge und Sachbeschädigungen umschreiben, sind jedoch an Bedingungen geknüpft: 

"Es gibt jedoch Möglichkeiten aus der gegenwärtigen Spirale zu entkommen. Ein Abzug von Bullen und Sicherheitsfirmen aus der Rigaer 94 und die Rückgabe der Räume an die Hausgemeinschaft, sowie ein Verzicht auf die Räumung des M99 würden von den für uns erreichbaren Zusammenhänge mit der Einstellung alle Tag X Aktivitäten und Angriffen beantwortet werden."