Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain: Mediator soll Streit im Kiez schlichten

Allerschönstes Formulardeutsch ziert die sogenannte Leistungsbeschreibung, die das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ausgeschrieben hat: „Organisation, Moderation und Dokumentation eines dialogischen Aushandlungsprozesses im Kiez um die Rigaer Straße in Friedrichshain“ steht darauf über dem verpixelten Wappen des Bezirks.

Mit anderen Worten: Ein Moderator, wohl eher Mediator, wird gesucht, der die unterschiedlichen Interessengruppen des Kiezes befriedet und zur gemeinsamen Lösungsfindung an einen Tisch bringt. Schließlich ist  die Rigaer Straße seit gefühlt ewigen Zeiten immer wieder Anlass für Polizeieinsätze und politische Streitigkeiten weit über die Grenzen des Bezirks hinaus.

Oder wie es weiter in der Ausschreibung heißt: „Im Gebiet gibt es aktuell eine sehr schwierige Situation“. Das ist ein Euphemismus, die schwierige Situation besteht schon seit Jahren und bislang sind alle Versuche, dafür dauerhaft eine Lösung zu finden, gescheitert.

Nun ist die Idee, einen Moderator einzusetzen, wo man selbst nichts mehr erreicht, grundsätzlich keine schlechte. Das kann funktionieren (Landwehrkanal), oder misslingen (Admiralbrücke).

Aufgabe ist kaum zu stemmen

Polizei, die Bewohner der Rigaer Straße und die umliegenden Nachbarn sind bislang nicht an einen Tisch zu bringen, die Aufgabe, die der Moderator/Mediator erfüllen soll, ist also kaum zu stemmen. Er oder sie müsste eine Art diplomatischer Oktopus sein, der zugleich an allen Fronten wirkt oder, um im Tierreich zu bleiben, ein Sündenbock –  nämlich wenn er es nicht schafft, in „Henkels Aufmarschgebiet“ für Befriedung zu sorgen und „nachhaltige Konfliktlösungsansätze“ zu erarbeiten.

Ob der Bezirk das Problem Rigaer Straße wirklich lösen will, bleibt noch dahingestellt. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass das alles längst als eine Art Lokalfolklore betrachtet wird, an der sich das Bezirksamt nicht die Finger verbrennen will. Ein Honorar wird übrigens in der Ausschreibung nicht erwähnt, der Job scheint unbezahlbar zu sein. Die Bewerbungsfrist endet am 14. September, 10.30 Uhr.