Die Aktion dauert eine Minute, auf dem Video ist alles klar zu erkennen: Mehrere Männer laufen in die Büroräume der Hausverwaltung, sie tragen schwarze Stoffmasken, einer hat einen Motorradhelm auf dem Kopf. Zielsicher gehen sie durch die Räume, vorbei an den verdutzen Mitarbeitern an ihren Schreibtischen.

„Du lässt die Finger von der Rigaer 94, verstanden?“, ruft einer der Vermummten. „Das nächste Mal kommen wir nicht so freundlich, du Penner!“, ein anderer. Sie lassen Flugblätter fallen, auf denen steht, dass die Verwaltung dem Hauseigentümer kündigen solle oder: „Ihr macht weiter so und wir rufen öffentlich dazu auf, gegen euch aktiv zu werden.“ Dann gehen sie wieder.

Tür aufgetreten

Die ungebetenen Besucher, die im September 2015 in der Verwaltung des Hauses an der Rigaer Straße 94 auftauchten, haben ihre Aktion gefilmt und ins Netz gestellt.

Sie war als Rache gedacht für einen Vorfall am Tag zuvor: Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma hatten die Tür zum Dachboden des Wohnhauses aufgetreten, ihnen folgte eine Entrümpelungstruppe, die den als Schlafplatz genutzten Boden leer räumen sollte. Doch sie musste wieder abziehen, weil sich die Bewohner wehrten. Es drohte Krawall – so wie jedes Mal, wenn der Eigentümer des Hauses oder die Polizei versuchen, dort etwas durchzusetzen.