Neue Wohnungen braucht die Stadt, aber nicht überall stößt ihr Bau auf Begeisterung. An der Rigaer Straße 18/19 in Friedrichshain zum Beispiel wurde am Freitag Richtfest gefeiert. Das Unternehmen Sanus AG baut dort acht Stadtvillen mit insgesamt 155 Wohnungen. Sie haben ein bis vier Zimmer, sind 45 bis 95 Quadratmeter groß und liegen rund um zwei grüne Innenhöfe: Ab neun Euro nettokalt beträgt die Miete, erste Verträge sind bereits geschlossen.

Doch der Standort der Neubauten dürfte für die linksautonome Szene in Friedrichshain eine Provokation sein. Gerade im Bereich Rigaer Straße/Liebigstraße gab es über Jahre etliche besetzte Häuser. Deren Bewohner hatten sich die Brache, auf der jetzt die neuen Wohnungen entstehen, im Jahr 2009 „angeeignet“. Bambiland nannten sie das Areal, auf dem gemeinsam gegärtnert, gefeiert, gespielt und diskutiert wurde.

"Lange Woche der Rigaer Straße"

Inzwischen gibt es im Umfeld kaum noch besetzte Häuser, Hausprojekte wurden legalisiert, die Szene aber existiert weiter. Für kommende Woche hat sie die „Lange Woche der Rigaer Straße“ angekündigt. Die Organisatoren, linksautonome Gruppen, wollen sich dabei von ihrer „besten Seite“ zeigen – was durchaus als Drohung verstanden werden darf.

Bei einer ähnlichen Veranstaltung im vergangen Jahr kam es zu Ausschreitungen mit Flaschenwürfen und brennenden Barrikaden. Fazit: 26 verletzte Polizisten und mehr als ein Dutzend Festnahmen. Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte die Aktionen damals als „kriminelle Gewaltakte“. Die Polizei, sagte ein Sprecher der Berliner Zeitung am Freitag, sei „auf alles vorbereitet.“

Unterweisungen für das Verhalten gegenüber der Polizei

Im Programm der sieben Aktionstage finden sich nicht nur Feste und Filmvorführungen auf dem „Dorfplatz“, wie die Organisatoren die Kreuzung Rigaer/Liebichstraße nennen. Es gibt Unterweisungen für das Verhalten gegenüber der Polizei und für den Bau Zwillen, die auch als Katapulte oder Kreuzbergschleudern bekannt sind. Die Rigaer Straße bleibt Risikogebiet, heißt es. Und schließlich ist ein „kollektives kritisches Kartieren“ geplant. Was nichts anderes bedeutet als dass man jenen Orte aufsuchen will, an denen es in der Vergangenheit Räumungen und Verdrängung von Bewohnern gab. Das Wohnprojekt der Sanus AG, das ehemalige Bambiland, zählt dazu. Die Botschaft der Linksautonomen lautet: „Gegen spontane und außerplanmäßige Events haben wir natürlich nichts.“