Es gibt größere Bauprojekte bei der Bahn. Eine neue Brücke, Signale und Oberleitungsanlagen, Stützwände – viel mehr ist gar nicht geplant für die Ringbahn in Friedrichshain. Das Wenige allerdings ist elementar wichtig. Es geht um die Überführung Wiesenweg, ohne die der Zug zum BER einen Umweg machen müsste und deutlich länger bräuchte. Nun ist die Genehmigung für das Projekt da.

Wie jetzt bekannt wurde, hat das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluss am 16. Oktober vorgelegt. Eine gute Nachricht für Fahrgäste. Doch bei Anwohnern regt sich Protest.

In 33 bis 34 Minuten zum BER

99 Jahre hat sie schon auf dem Buckel, die Brücke über den Wiesenweg. Sie ist schon lange baufällig. Damit zumindest die S-Bahn weiter fahren kann, wurden Hilfsbrücken gebaut. Doch in den Fernbahngleisen klafft seitdem eine Lücke – kein Verkehr mehr möglich. Weil zwischen Frankfurter Allee und Ostkreuz derzeit keine Fern- und Regionalzüge fahren können, mussten die Bahnplaner ihren Grips enorm anstrengen.

Sie hatten die Aufgabe, für den Flughafenexpress FEX eine andere Strecke zu finden – das war nicht einfach. Am Ende kamen sie darauf, ihn im Einbahnverkehr im Kreis rollen zu lassen. Unterschiedliche Zeiten für die Hin- und Rückfahrt wären die Folge. Vom Hauptbahnhof via Potsdamer Platz und Südkreuz zum BER wären 30 bis 31 Minuten einzuplanen, für die Rückfahrt via Lichtenberg und Gesundbrunnen 37 bis 38 Minuten – schnell ist das nicht. Und für die Fahrgäste wäre es unübersichtlich.

Der FEX kann zweimal stündlich verkehren

Doch die Probleme am BER spielen den Planern in die Hände. Weil sich die Eröffnung des Flughafens immer weiter verschiebt, ist absehbar, dass die Übergangslösung mit dem Kreisverkehr nicht mehr gebraucht wird. Optimisten gehen von einer Inbetriebnahme des BER 2019 aus. Andere sagen, dass man lieber auf Nummer sicher gehen und ihn frühestens zum Beginn des Sommerflugplans 2020 eröffnen sollte. BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup will den Termin in den kommenden Wochen bekanntgeben – vielleicht am 15. Dezember. Oder im Januar.

Es zeichnet sich also ab, dass der BER erst dann ans Netz geht, wenn die Ringbahnlücke geschlossen ist. Zuletzt peilte die Bahn Juni 2019 an. Der FEX kann dann zweimal stündlich zwischen Hauptbahnhof, Gesundbrunnen, Ostkreuz und dem BER verkehren – und auf derselben Strecke zurück. Fahrzeit: 33 bis 34 Minuten. Mit den Zügen der Linien RE 7 und RB 14, die auf der Stadtbahn über Zoo-Alexanderplatz verkehren und 33 bis 36 Minuten brauchen, würden vier Regionalzüge pro Stunde und Richtung rollen.

Als Gewerbegebiet eingestuft, obwohl dort Menschen leben

Zwar sei der Planfeststellungsbeschluss ein halbes Jahr später eingetroffen als die Projektleitung für das Ostkreuz erhofft habe, so der Friedrichshainer SPD-Abgeordnete Sven Heinemann. „Doch erste vorbereitende Maßnahmen auf der Strecke haben bereits stattgefunden.“

Allerdings: Anwohner der Gürtelstraße und des Kietzer Wegs sehen die Planung kritisch. Sie halten es für ein Unding, dass keine Schallschutzwände oder andere Vorkehrungen gegen den Zuglärm vorgesehen sind. „Obwohl die Bahn in einem dicht besiedelten Gebiet baut“, sagte ihr Anwalt Philipp Lingmann.

Auch habe es mehrere Planänderungen gegeben, ohne dass Betroffene beteiligt wurden. Teile des Umfelds würden als Gewerbegebiet eingestuft, obwohl dort Menschen leben. Nächste Woche trifft sich der Jurist mit seinen Mandanten: „Dann überlegen wir, wie wir vorgehen.“ Eine Klage ist nicht ausgeschlossen.