Für die Steuerzahler droht es teurer zu werden, und die S-Bahn- Fahrgäste müssen sich auf Ausdünnungen des Fahrplans gefasst machen. Das Vergabeverfahren, mit dem Berlin und Brandenburg den künftigen Betreiber der S-Bahnen auf dem Ring und im Südosten suchen, ist in eine Sackgasse geraten. Jetzt wird hinter den Kulissen ein Ausweg gesucht. Dabei wird auch über ein kritisches Diskussionspapier aus der Bahnindustrie gesprochen, das der Berliner Zeitung in Auszügen vorliegt. Bei der Ausschreibung seien den Politikern „Kardinalfehler“ unterlaufen, heißt es darin.

Punkt für Punkt listet die Analyse auf, was alles schiefgegangen ist. So sei entschieden worden, dass der zukünftige S-Bahn-Betreiber fast 400 Wagen finanzieren und beschaffen muss. Das würde nach Einschätzung von Insidern Investitionen von einer Milliarde Euro erfordern, was Konkurrenten der Deutschen Bahn (DB) abschreckte. Der politische Glaube, dass nur die DB als jetziger und künftiger Betreiber der S-Bahn den Übergang vom Alt- zum Neuvertrag reibungslos gestalten könne, wirkte sich negativ aus.

Neuanfang gefordert

Der dritte Fehler: Die Ausschreibung habe „überzogene technische Detailforderungen und Reglementierungsvorgaben“ enthalten – an die Langlebigkeit der S-Bahnen, zum Lärmschutz, zum Energieverbrauch und zur Klimatisierung. Der geforderte ausgiebige Probebetrieb habe die Kosten weiter in die Höhe getrieben. Fehler Nummer 4: Die Vertragsstrafen, die bei schlechten Leistungen drohen, hätten „unvorstellbare Umfänge“. Schlimmstenfalls gäbe es gar kein Geld vom Land. Die ersten beiden Fehler hätten den Wettbewerb dezimiert und in das „Preisdiktat der DB“ geführt, so die Analyse. Fehler 3 und 4 trieben die Kosten in bundesweit einmalige Höhen, heißt es im Papier.

Wie berichtet, ist mit der DB nur ein Bewerber übrig geblieben, der zudem von den Ländern mehr Geld für den Betrieb verlangt – zusätzlich 100 Millionen Euro pro Jahr, wie es hieß. So eine Verteuerung ließe sich nur durch die Streichung von Fahrten ausgleichen. Nun wird nach Informationen der Berliner Zeitung in der Politik und in Wirtschaftskreisen erneut ein Konzept diskutiert, das es schon mal zur Senatsvorlage geschafft hatte – die der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dann jedoch kassierte.

Bessere Angebote, niedrigere Preise

Das Konzept lautet: Das Land kauft die Züge zu günstigen Kommunalkreditkonditionen. Betrieben würden sie von dem Bahnunternehmen, das eine separate Ausschreibung gewinnt. Auch für die Instandhaltung sollte es ein Vergabeverfahren geben. Eine solche Trennung würde einen „offenen Wettbewerb auf Betreiberseite“ ermöglichen, sagen Beobachter. Folge wären bessere Angebote, niedrigere Preise.

Käme es unter solchen Bedingungen zu einem neuen S-Bahn-Vergabeverfahren, würden sich DB-Konkurrenten beteiligen. „Wir würden ernsthaft prüfen, ob wir teilnehmen“, so Arnulf Schuchmann, Chef der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG). Dem Vernehmen nach erwägt auch Abellio, Ableger der niederländischen Staatsbahn, in diesem Fall ein Angebot abzugeben.