Wulkow - Das Schloss Wulkow ist weithin bekannt als eine der berühmtesten Schlossruinen des Landes Brandenburg. Ein Investor hatte dieses Gemäuer zwar gekauft, aber dort nie ernsthaft Geld in die Sanierung gesteckt. Nun steht diese Ruine zum Verkauf, besser gesagt: Sie soll am 7. Dezember in Berlin bei der Winterauktion der Firma Plettner & Brecht versteigert werden. Mindestgebot: 39.000 Euro.

Das klingt wie ein Schnäppchen, aber wer das Gebäude kennt, kann nur erahnen, wie viele Millionen Euro nötig sind, um dieses Haus, an dem teilweise das Dach defekt ist, zu sanieren.

Schloss Wulkow wurde im Krieg teilweise zerstört

Das Schloss steht in Wulkow, einem Ortsteil von Lebus im Kreis Märkisch-Oderland. Der Ort befindet sich etwa zehn Kilometer nördlich von Frankfurt (Oder) und nahe des Grenzflusses zu Polen.

Im Versteigerungskatalog heißt es: „Objekt: Parkähnlich angelegtes Grundstück, bebaut mit dem ’Schloss Wulkow’. Baujahr des Gebäudes um 1697, um 1900 wurde das Gebäude umgebaut und ca. 1945 zerstört.“ Auch heute ist noch klar erkennbar, dass das ehemalige Rittergut vor mehr als hundert Jahren im Stil der Neurenaissance umgebaut wurde. Es war im Krieg allerdings nicht vollständig zerstört worden, aber Teile der Dächer sind kaputt, und das riesige Haus wurde nach dem Krieg nur notdürftig saniert.

Seit 70er Jahren zerfallen

Im Ort erzählen die Leute, dass sich bis in die 60er Jahre in dem einstigen Rittergut noch Büros der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) befanden, dass dort Feste gefeiert wurden und dass es auch Wohnungen gab. Doch in den 70er Jahren war das Gemäuer dann so marode, dass es aufgegeben wurde und seither immer mehr zerfällt.

Im Angebot für die Versteigerung heißt es so schön, dass das Gebäude über zehn Zimmer verfügt – das sind allerdings Räume voller Schutt und meist ohne Fensterscheiben. Die Nutzfläche des Hauses wird im Katalog auf beachtliche 2000 Quadratmetern geschätzt, die Grundstücksgröße mit 5732 Quadratmetern angegeben.

„In einem ruinösen Zustand“

Der benachbarte riesige Park gehört nicht zum Angebot. Im Dorf ist man froh, dass der Park nach der Wende vom Schloss getrennt wurde, da er dadurch weiterhin von den Einwohnern genutzt werden kann.

Richtigerweise heißt es im Katalog: „Das ehemalige Schloss befindet sich in einem ruinösen Zustand.“ Erschwerend für mögliche Investoren kommt hinzu, dass es ein Baudenkmal ist, was mit hohen Auflagen bei der Sanierung verbunden ist. Allerdings wird möglichen Interessen das Grundstück damit schmackhaft gemacht, dass das Grundstück nach Angaben des derzeitigen Eigentümers mit mehreren Einfamilienhäusern bebaut werden darf.

Versuch der Nutzung

Im Ort erzählen die Leute, dass das Haus direkt nach der Wende für angeblich 90.000 D-Mark erstmals verkauft wurde. Später soll ein Besitzer versucht haben, es für den doppelten Preis zu verkaufen – ohne Erfolg. Anfangs hatte noch Ehrenamtliche im Ort versucht, das Haus zu nutzen und so vor dem Verfall zu retten. Aber das war bei dem Zustand des Hauses auf ehrenamtlicher Basis einfach nicht schaffbar.

Das Örtchen Wulkow hat eine engagierte Einwohnerschaft von knapp 230 Leuten. Der Ort wurde im Jahr 1992 zur „Modellgemeinde für ökologische Dorfentwicklung in Brandenburg“ erklärt, erhielt den Bundesumweltpreis und war dezentrales Projekt der Expo 2000 im niedersächsischen Hannover.

Hoffen auf einen Investor

„Es wäre natürlich toll, wenn das Schloss endlich einen neuen Besitzer finden würde“, sagt Heidemarie Kascherus vom Verein „Die Wulkower“, der Ortsfeste und das Kulturleben organisiert. „Das Schloss steht mitten im Ort, und es wäre schön, wenn es endlich saniert werden würde.“

Heidemarie Kascherus erinnert sich noch daran, dass dort früher große Dorffeste oder auch Jugendweihen gefeiert wurden.

Früher hatten die Wulkower lange die Hoffnung, dass sich ein Investor findet, der das Haus kauft und dort eine Seniorenresidenz einrichtet. „Jetzt ist es aber so verfallen, dass es sehr viel Kraft und auch viel Geld kosten wird, das Haus zu retten.“

Dörfer und Inseln versteigert

Immer wieder sorgten in jüngster Vergangenheit Versteigerungen in Brandenburg für Aufsehen: So wurde im Dezember 2017 das 15-Einwohner-Örtchen Alwine versteigert. Die neun Häuser und zehn Schuppen gingen für 140.000 Euro weg. Doch als dem Käufer bewusst wurde, wie marode diese einsame Siedlung ist, trat er von dem Kauf zurück. Nun gibt es zwei neue Besitzer, die in Berlin einen Erfinderladen betreiben und aus Alwine ein „Erfinder-Dorf“ mit Open-Air-Show-Room voller Erfindungen machen wollen.

Im März 2017 waren dann zwei Inseln im Scharmützelsee versteigert worden. Für beachtliche 168.000 Euro. Die Anfangsgebote für die größere Insel lagen bei 20.000, die für die kleinere bei 2000 Euro. Die Auktionatoren waren von dem großen Erlös überrascht. Sie rechneten mit maximal 50.000 Euro insgesamt. Denn auf den wilden Inseln namens Großer Werl und Kleiner Werl wohnen vor allem die streng geschützten Kormorane - und es darf auch nicht gebaut werden.

Auktion am 7. Dezember

Wer doch keine Schlossruine ersteigern will, kann am 7. Dezember auch ein Dutzend Waldgrundstücke in Brandenburg ersteigern oder eine wirklich gut aussehende Villa für 129.000 Euro.

Die Auktion der Plettner & Brecht Immobilien GmbH startet am 7. Dezember ab 11 Uhr am Askanischen Platz 3.