Berlin - Vernetzt, digital, smart: So soll die Zukunft aussehen. Was das genau bedeutet, welche Probleme und Möglichkeiten sich dadurch ergeben, soll künftig intensiv in Berlin erforscht werden. An diesem Montag wird das Einstein Center Digital Future im Robert-Koch-Forum an der Wilhelmstraße eröffnet. Das ist ein gemeinsames Projekt von Berliner Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Unternehmen und dem Land Berlin.

In den nächsten sechs Jahren werden in digitale Forschung und Entwicklung 38,5 Millionen Euro investiert. Beispielsweise werden 50 neue Professuren geschaffen. Besetzt sind bislang drei Juniorprofessuren – eine hat Sergio Lucia inne. Am 2. Mai tritt der 29-Jährige seine Stelle im Bereich Internet of Things und Smart Buildings, also dem Internet der Dinge und intelligente Gebäude, an.

Herr Lucia, woran genau werden Sie künftig forschen?

Ich werde mich damit beschäftigen, wie man Gebäude optimiert, damit sie möglichst wenig Energie verbrauchen. Wenn ich also weiß, dass in der nächsten Stunde die Sonne scheint, dann müssen einzelne Räume vielleicht nicht geheizt werden. Es geht aber auch um die Nutzung von Wasser und anderen Ressourcen.

Geht es vor allem darum, Rohstoffe zu schonen?

Genau so ist es. Das ist ein wichtiger Grund für meine Forschung. Den Energieverbrauch zu senken, ist aber auch ökonomisch bedeutend. Immerhin zählen Gebäude zu den größten Energiefressern in Städten.

Woher wissen Sie, was an den Gebäuden verbessert werden kann?

Das will ich mit Hilfe von Sensoren, also eine Art Messfühler, herausfinden. Auch damit werde ich mich beschäftigen – also welche Daten von den Sensoren aufgenommen werden und wie man diese Informationen weiterverarbeiten kann. Dadurch bekomme ich zum Beispiel Hinweise, was bei der Wärmeversorgung verändert werden sollte.

Was erhoffen Sie sich für Ihre Arbeit vom Einstein Center?

Dass wir dort interdisziplinär arbeiten und viele Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen dabei sind, vielleicht ja auch Künstler.

Mit welchen anderen Bereichen würden Sie gern zusammenarbeiten?

Zum Beispiel mit Medizintechnikern. Wenn sie Daten von Patienten erheben, stehen sie vor ähnlichen Fragen wie ich: Wie wertet man diese Informationen aus und wie nutzt man diese dann am besten? Da können uns zum Beispiel Mathematiker weiterhelfen. Denn vieles, was ich zur Optimierung nutze, geht auf komplexe mathematische Algorithmen zurück. Außerdem habe ich auch schon Kontakt zu einigen Start-ups, die bald nach Berlin kommen werden.

In drei Jahren wird es eine erste Bewertung der einzelnen Forschungsbereiche geben. Was kann man bis dahin erreichen?

Dann weiß man vermutlich schon, welche untersuchten Ideen gut sind und weiterverfolgt werden sollten. Vielleicht wird es auch schon erste große Veränderungen geben. Aber ich denke, am Ende der zweiten Periode – also nach weiteren drei Jahren –, wird es viel konkreter und einige Ideen wird man auch schon umsetzen. Erreichen kann man in drei Jahren viel. Ich fange ja auch nicht bei Null an, sondern forsche schon seit sechs Jahren zu Optimierungsprozessen.

In den nächsten Jahren werden in Berlin knapp 40 Millionen in die digitale Forschung investiert. Ist das notwendig?

Ja, meiner Meinung nach schon. Denn die Digitalisierung ist die Zukunft. Würde man nicht investieren, würde Deutschland immer etwas hinten angestellt sein im Vergleich zu Ländern wie den USA. Mit dem Projekt ist es nun möglich, dass Deutschland eine führende Rolle einnimmt – Berlin könnte zu einem Zentrum für Digitalisierung werden.

Finden Sie es problematisch, dass am Einstein Center auch Firmen beteiligt sind?

Ich denke, dass es das Center mit den Kooperationen gut gemacht hat. Denn Grundlagenforschung ist wichtig, aber ebenso eine Anbindung an Wirtschaftsunternehmen, um zu wissen, was sie brauchen. Damit könnte die Forschung dann zwar eine bestimmte Richtung einschlagen, aber die Firmen haben keinen Einfluss auf die Auswahl der Professoren und damit auch nicht auf die Forschungsschwerpunkte. Aus meiner Sicht profitieren Wissenschaftler und die Unternehmen gleichermaßen.

Warum haben Sie sich auf die Stelle als Juniorprofessor beworben?

Ich habe einfach sehr viel Spaß an der Forschung und an der Lehre. Außerdem kann ich auf diese Weise ein wenig an der Stadt der Zukunft mitwirken.