Berlin - Wer in der freien Szene Berlins bestehen will, der sollte flexibel sein. Die Vita von Feline Lang liest sich geradezu wie ein Musterbeispiel für diese Vielseitigkeit. Die Mezzosopranistin singt klassische Oper genauso wie argentinischen Tango und Musical, sie begründete und leitet das Ensemble „Canteatro“, mit dem sie natürlich auch auf der Bühne steht, sie betreibt mit einem Kompagnon das Musikzentrum „Musik erlaubt“, gibt dazu Unterricht in Gesang, Tanz und Sprechen und war nebenbei Kleindarstellerin im Fernsehen. Doch das alles war dem umtriebigen Multitalent noch nicht genug. Jetzt hat sie eine Band gegründet – und natürlich alle Songs getextet und entworfen.

Nur noch Gastspiele

Die Anregung für ihren Ausflug Richtung Pop und Jazz kam aus ihrem Stammhaus im Wiesenweg, wo ihr Ensemble „Canteatro“ bis zum letzten Sommer auftrat. Obwohl die kleine Truppe mit witzigen Impro-shows wie ihrer „Drei-Euro-Oper“ jedes Publikum herumkriegte, fanden zu wenige Gäste den Weg ins Niemandsland zwischen Friedrichshain und Lichtenberg. Das Motto „Oper für alle“ lockte weder genügend Opernfreunde noch Szenegänger in die abgelegene Straße. Deshalb ist „Canteatro“ inzwischen nur noch auf Gastspielen zu erleben. Dafür hat sich das ehemalige Umspannwerk inzwischen als Club, Probebühne, Tonstudio und Probenhaus für über 500 Musiker etabliert: Hier darf noch rund um die Uhr musiziert, ja gelärmt werden, eine echte Oase mitten in Berlin!

Christoph Klemke, der mit Feline Lang das Haus managt, ist hochzufrieden über die Auslastung: 600 Anfragen innerhalb eines Jahres musste er schon absagen. Die vielen Bands, die jetzt hier Tür an Tür proben und sich treffen, riefen bei Feline Lang den Wunsch hervor: „So etwas will ich auch!“ Als Hausherrin eines Musikzentrums fand sie es einfach zwingend, selbst etwas anzubieten, während Kompagnon Klemke, der in der Band für Percussion und „strange Sounds“ zuständig ist, dagegen hält: „Wir sind doch nicht nur Imageband für das Haus.“ Der Klangtüftler, der im Wiesenweg die Soundschule „Datenklang“ betreibt, sieht in der Band vor allem die Chance, mit neuen Klängen zu experimentieren.

Die Stücke von „Feline & Strange“ spiegeln die weite Vita der Sängerin wieder: Jeder Song soll eine kleine Oper sein. „Wie Queen ohne Gitarren“, erklärt Sängerin und Songautorin Lang kühn. Als „EpicJazzPop“ bezeichnet das Quintett seinen Stil, der sich stark vom weit verbreiteten Berieselungs-Barjazz abhebt. Die Akkorde und Melodien scheinen anfangs nicht gleich zueinander zu passen, entfalten aber eigenartige Reize und Kontraste. „Bloß gut, dass ich in der Harmonielehre nicht richtig aufgepasst habe“, kokettiert Feline Lang und erklärt dann das „Obertonsurfing“ zwischen Gesang und Posaune. Vor allem aber besitzen die Songs überraschend kraftvolle Melodien, die mitunter sogar Hitqualitäten haben.

Vor allem die Sechs-Minuten-Ballade „Finally“, laut Feline Lang das traurigste Stück des Debütalbums „Behaviour“, entwickelt einen wahren Sog: Mit diesem Stück würden Feline und Co beim Grand Prix Eurovision ganz weit vorn landen! Sollten die Songs von „Feline & Strange“ tatsächlich mal viel Geld einbringen, dann wissen Feline Lang und Christoph Klemke schon, wofür sie die Mittel einsetzen: Dann würden sie ihr Musikhaus im Wiesenweg, in dem sie bisher Pächter bei Vattenfall sind, endlich kaufen.

Feline & Strange: Record Release Party am 13.10. um 20 Uhr in der Wabe, Danziger Straße 101, Prenzlauer Berg.