Also doch. Ein Streit ums Geschäft zwischen verfeindeten Rockergruppen war offenbar der Grund für die Schießerei am vergangenen Mittwoch in einem Café in der Groninger Straße in Wedding. Das wurde am Freitag aus Sicherheitskreisen bekannt. Nun steht auch fest, dass nicht nur 16 Mal von außen in das Lokal gefeuert wurde, sondern das Feuer auch von innen heraus erwidert wurde. Nach der ballistischen Untersuchung der Geschosse steht auch fest, dass die Patronen aus Maschinenpistolen abgefeuert wurden. Ob noch andere Waffen benutzt worden sind, teilte die Polizei nicht mit.

Die Männer, die in das Lokal geschossen haben, gehören den Guerilla Nation Vaynakh an, sagt die Polizei. Die andere Rockergruppe wurde nicht bekannt. Offenbar ging es um Auseinandersetzungen im Rotlichtmilieu. Fünf Männer waren, wie berichtet, gegen 20.15 Uhr in die Groninger Straße gefahren. Sie saßen in einem Audi A4, einem Mercedes Benz und in einem Opel. Vor dem Lokal hielten die Autos. Die Insassen schossen ohne Vorwarnung. Verletzt wurde niemand.

Mitglied einer Rockervereinigung?

Einer der Schützen soll Magomed E. sein. Er feierte am Freitag seinen 31. Geburtstag allein in seiner Zelle in der Untersuchungshaftanstalt Moabit. Seit Donnerstag sitzt er zusammen mit zwei weiteren Tatverdächtigen in dem Gefängnis. Ihm sowie Achmed I. und Riswan R. wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Zwei weitere Tatverdächtige, Ashab E. und der Mazedonier Rinor I., wurden inzwischen wieder freigelassen.

Zur Tatzeit sollen sich zehn Gäste in dem Café aufgehalten haben. Sie entkamen über einen Seiteneingang. Der Wirt, der das Lokal seit einem Jahr betreibt, sei zum Zeitpunkt des Anschlags nicht anwesend gewesen, hat er der Polizei gesagt. Möglicherweise galten ihm die Schüsse. Ob er einer Rockervereinigung angehört, ist unklar.

Passanten merkten sich die Kennzeichen

Die Polizei geht von einer geplanten Tat aus. 200 Meter vom Tatort entfernt, befindet sich eine Polizeiwache. Weil das Rolltor, zum Gelände der Behörde verschlossen war, mussten die Beamten einen Umweg fahren. Als sie am Café ankamen, waren die Täter und die Gäste geflüchtet. Ob die Angreifer das Tor verschlossen haben, um ihre Flucht zu ermöglichen, ist nicht bekannt.

Wenn es so wäre, hätte es nichts genutzt. Passanten hatten sich nämlich die Kennzeichen der Fluchtwagen gemerkt und der Polizei mitgeteilt. So konnten die Männer noch am selben Abend geschnappt werden.

Kaum einer hat einen Motorradführerschein

Fest steht, dass Gäste des Cafés schon des öfteren Unmut in der Nachbarschaft ausgelöst haben. „Es gab schon häufiger Zoff“, sagte eine Anwohnerin. Es sei erst Ruhe gewesen, als die Polizei einschritt, so die Frau. Von Rockern, die sich regelmäßig im Lokal treffen, wisse sie nichts. Die Mitglieder des Klubs Guerilla Nation Vaynakh sollen eng mit den Hells Angels vernetzt sein.

Beide Gruppierungen sind mit der Türsteher-Szene, mit dem Drogenhandel und Schutzgelderpressungen verbunden. Die Mitglieder der Guerilla Nation betrachten zunehmend Berlin und weite Teile Brandenburgs als ihr Revier. Dem Klub sollen hundert Mitglieder in der Region angehören. Die wenigsten von ihnen sollen einen Motorrad-Führerschein, geschweige denn ein eigenes Motorrad haben. Eines der Klubhäuser der Guerillas befindet sich in einer Kleingartenanlage am Kietzer Weg.

Dort war im August vergangenen Jahres der 28 Jahre alte Dirk S., Mitglied der Guerilla Nation, von seinem Motorrad geschossen worden. Dirk S. schleppte sich in eine nahe gelegenen Werkstatt und verstarb dort. Zur Trauerfeier erschienen mehrere hundert Klubmitglieder aus Deutschland. Die Polizei hat bis heute keine Spur zum Todesschützen. Es wurden lediglich Abdrücke eines Autos entdeckt, das in der Nähe des Tatortes geparkt worden war. Zeugen sprachen von zehn Schüssen, die sie gehört haben wollen. Sechs Wochen später wurde einer der Guerilla-Köpfe, Aygün M., in Hessen erschossen.