Droht Berlin ein neuer Polizei-Skandal? Nach dem Verdacht, dass die Berliner Behörde einen Mord im Rockermilieu gebilligt habe könnte, fordert die oppositionelle FDP-Fraktion jetzt Konsequenzen. Offenbar funktioniere an vielen Stellen des Landeskriminalamtes (LKA) die Kommunikation nicht, sagte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe, am Montag im RBB-Inforadio. Dafür sei letztlich der LKA-Chef verantwortlich.

Wie unter anderem der Tagesspiegel am Montag berichtete, bestätigte die Berliner Generalstaatsanwältin und ehemalige Vize-Polizei-Präsidentin, Margarete Koppers, dass gegen drei Beamte des Landeskriminalamtes Ermittlungen liefen. Ihnen werde Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen, sagte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra am Montag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Im LKA sei bekannt gewesen, dass das spätere Opfer gefährdet gewesen sei. Es gebe Hinweise auf eine Reihe von Fehlern - so sei etwa das Opfer nicht gewarnt worden und es habe keinen Plan zur Gefahrenabwehr gegeben. Personenschutz gehe jedoch immer vor Ermittlungserfolg, betonte Kamstra. Die betroffenen Beamten sind laut Polizei bis auf weiteres vom Dienst suspendiert worden.

Zuvor hatte das Landgericht im bislang größten Berliner Rockerprozess in einem rechtlichen Hinweis festgehalten, das LKA habe gewusst, dass so ein Mord passieren könne, aber womöglich „bewusst und unter billigender Inkaufnahme“ keine ausreichenden Gegenmaßnahmen ergriffen. Hintergrund könnte gewesen sein, dass die Ermittler anschließend gegen das Rockermilieu vorgehen wollten.

Laut Anklage sollen die Rocker am 10. Januar 2014 vermummt in ein Wettspiel-Café im Stadtteil Reinickendorf gestürmt sein. Der Mann an der Spitze erschoss im Hinterzimmer einen 26-Jährigen. Seit vier Jahren läuft der Prozess. (dpa)