Als Hauke Feldvoss vor etwa drei Jahren mit zwei Freunden den Elektrorollerverleih Emio als Start-up gründete, hatte er dafür einen Job im Silicon Valley sausenlassen. Der Vertrag mit dem IT-Unternehmen in Kalifornien war schon unterschrieben, aber der Absolvent der Technischen Universität (TU) Berlin wollte dann doch lieber Schöneberg statt San Francisco. Bereut habe er dies nie, sagt Feldvoss. „Alles richtig gemacht.“

Das Start-up heißt inzwischen Emmy, ist eine GmbH mit fast 30 Vollzeitangestellten, und die beiden Freunde von der TU sind immer noch mit dabei. Mittlerweile stehen bundesweit rund 1000 Emmy-Elektroroller für die App-gestützte Kurzzeitnutzung bereit. Wer einen davon braucht oder möchte, kann den nächsten Scooter per App orten. Ist das Fahrzeug gefunden, wird es ebenfalls per App entriegelt.

Saubere und individuelle Art der Fortbewegung ist unaufhaltsam

Helme befinden sich in der Bordbox. Schon kann es losgehen. 19 Cent kostet die Minute. 40.000 registrierte Nutzer hat allein Emmy heute. Aber das Berliner Unternehmen ist längst nicht der alleinige Anbieter. Hier in Berlin ist die Bosch-Tochter Coup der große Konkurrent, weltweit gibt es inzwischen einige Player.

Denn das Prinzip Car2go für zwei Räder ist ein Erfolgsmodell. Das Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, kurz InnoZ, ein Beratungs- und Forschungsunternehmen, hat diesen Markt nun erstmals untersucht. Ergebnis: Vor allem in den immer weiter wachsenden Städten ist die leise, saubere und individuelle Art der Fortbewegung quasi unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

Rollersharing nicht mehr wegzudenken

Gab es 2012 mit dem Unternehmen Scoot Networks aus San Francisco den ersten und lange Zeit einzigen Stromscooter-Vermieter überhaupt, so sind Roller-Sharing-Anbieter der InnoZ-Studie zufolge heute in 29 Städten vertreten. In 17 weiteren Metropolen wurde der Start bereits angekündigt.

„Das System hat sich etabliert und längst seinen Platz in der modernen Mobilitätsgesellschaft gefunden“, sagt Enrico Howe, Experte für nachhaltige Mobilitätslösungen am InnoZ und Mitautor der Studie. Als Mobilitätsangebot sei das Roller-Sharing mit Elektroscootern vor allem in Innenstädten heute nicht mehr wegzudenken.

Im Jahresdurchschnitt dauert eine Fahrt 34 Minuten

Aktuell sind etwa 350.000 Nutzer bei den Roller-Sharing-Anbietern registriert, sagt die InnoZ-Analyse, und es seien vor allem die Young Urban Professionals, die den Roller für eine schnelle Fahrt von A nach B nutzen. Einige tun es spontan und unregelmäßig, Pendler indes haben den Leihroller längst als alternatives Verkehrsmittel entdeckt.

Jeder Roller wird demnach im Schnitt 3,4 Mal pro Tag ausgeliehen, was freilich von der Jahreszeit abhängt. So liegt der Juli dabei ganz vorn. Mit durchschnittlich 3,9 Fahrten pro Roller und Tag markiert der Sommermonat den jährlichen Höhepunkt (siehe Grafik) des Roller-Sharing-Geschäfts. Im Jahresdurchschnitt dauert eine Fahrt übrigens 34 Minuten, während 2,8 Kilometer zurückgelegt werden.

„Das Angebot wird noch schneller wachsen als bisher“

Weltweit stehen laut der InnoZ-Analyse derzeit rund 8000 Roller zum Teilen bereit, wobei Deutschland als Zentrum des Roller-Sharing bezeichnet werden muss. Denn fast jeder dritte weltweit zur Verfügung stehende Leih-Roller hat ein deutsches Versicherungskennzeichen. 2500 Scooter sind es insgesamt, von denen 1700 Roller in Berlin unterwegs sind. Damit krönt das InnoZ Berlin zur Welthauptstadt des Roller-Sharings. Paris kommt auf 1600 Roller und muss sich demnach mit dem zweiten Platz begnügen.

Dass der Verleihmarkt noch mehr hergibt, steht für InnoZ-Forscher Enrico Howe außer Frage. „Das Angebot wird noch schneller wachsen als bisher“, sagt er und rechnet schon bis Ende nächsten Jahres mit einer Verdopplung der zur Verfügung stehenden Roller. „15.000 Roller werden es Ende 2018 ganz bestimmt sein.“

Mehr Roller für Berlin

Emmy aus Berlin, das zusammen mit den Unternehmen Coup, Cityscoot und Ecooltra mittlerweile zwei Drittel des Weltmarkts bespielt, wird daran maßgeblich beteiligt sein. „Wir werden im nächsten Jahr über 1000 weitere Roller auf die Straße bringen“, sagt Co-Chef und Mitgründer Valerian Seither.

In Berlin hat Emmy derzeit 600 Roller im Einsatz. Außerdem ist das Unternehmen in fünf weiteren Städten Deutschlands vertreten. In Düsseldorf, Mannheim und Stuttgart arbeiten die drei Jungunternehmen aus Tempelhof mit den Stadtwerken zusammen und bieten ihnen so ein völlig neues Geschäftsfeld. „Wir machen Strom fassbar“, sagt Valerian Seither. Auch für Berlin soll es noch mehr Roller geben.