Die Firma entwickelt und projektiert netzferne Stromversorgungssysteme, die Wind- oder Photovoltaikanlagen mit Stromspeichern kombinieren und so Dieselgeneratoren ersetzen oder deren Laufzeit drastisch reduzieren können.
Foto: Qinous/Daniel Fricke

Berlin-SchöneweideUm Strom ging es an der Wilhelminenhofstraße in Schöneweide irgendwie schon immer. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dort die AEG gegründet. Es war die Zeit, in der Berlin die Elektrizität entdeckte, Kraftwerke entstanden, und die Elektroenergie immer neue Bereiche eroberte. Und genau darum geht es auch heute.

In einer Gründerzeitvilla auf dem ehemaligen Werksgelände, von der aus seinerzeit das größte Kabelwerk Europas geführt wurde, treibt die Firma Qinous die Energiewende voran. Sie macht, dass Sonnenstrom auch nachts und Windstrom auch bei Flaute genutzt werden kann. „Wir führen Elektropolis ins Zero-Emission-Zeitalter“, sagt Qinous-Gründer Busso von Bismarck.

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Übernahme durch Rolls-Royce

Das heute 40-köpfige Unternehmen entwickelt und projektiert netzferne Stromversorgungssysteme, sogenannte Microgrids, die Wind- oder Photovoltaikanlagen mit Stromspeichern kombinieren und so Dieselgeneratoren ersetzen oder deren Laufzeit drastisch reduzieren können. Dass das funktioniert, hat das Unternehmen inzwischen vielerorts weltweit unter Beweis gestellt.

Qinous-Anlagen versorgen beispielsweise ein Krankenhaus auf Haiti, eine australische Gemeinde oder ein Dorf in Tansania. Seit der vergangenen Woche ist Qinous eine Tochterfirma von Rolls-Royce. Die Briten haben die Mehrheit der Firma aus Schöneweide übernommen.

Weniger Diesel und Gas

Rolls-Royce hatte schon Ende 2018 in das Berliner Unternehmen investiert, seinerzeit etwa ein Fünftel von Qinous übernommen. Jetzt gehören den Briten knapp drei Viertel der Firma, und sie haben viel vor in Schöneweide. „Unsere neue Tochtergesellschaft spielt künftig eine zentrale Rolle“, sagt Andreas Schell, Chef von Rolls-Royce Power Systems.

Der Unternehmenszweig mit Hauptsitz in Friedrichshafen ist einer der Weltmarktführer für Not- und Dauerstromaggregate auf Basis von Diesel- und Gasmotoren. Um diese Technologie mit Ökostromquellen verbinden zu können, setzt Rolls-Royce auf Qinous. Die Kompetenzen von Qinous als junges Unternehmen mit Start-up-Charakter würden sich ideal mit den industriellen Fähigkeiten von Rolls-Royce ergänzen, sagt Schell. Gemeinsam könnte man schnell und mit hoher Qualität auf die Anforderungen des Marktes reagieren.

Das Ziel: klimaschonende Stromversorgung

Dafür soll aus den Produktprogrammen von Qinous und Rolls-Royce nun ein gemeinsamer Komponentenbaukasten entwickelt werden. Microgrid-Lösungen, die die unterschiedlichen Energieerzeuger mit Speichern kombinieren und so eine stabile, kostengünstige und vor allem klimaschonende Stromversorgung ermöglichen. Laut Rolls-Royce soll die Angebotsbreite von 30 Kilo- bis zu mehreren Megawattstunden reichen. Es gehe um den Bedarf von Gewerbebetrieben ebenso wie von größeren Industrieanlagen.

Die Gründungsgesellschafter von Qinous sind weiterhin am Unternehmen beteiligt und behalten ihre bisherigen Funktionen. Über den Kaufpreis und die anderen ausgeschiedenen Gesellschafter wurde Vertraulichkeit vereinbart.