Ariane und ihr Mann Uwe Marcus Rykov: Bis auf eine kleine Ausstellung in Schönau am Königssee gibt es deutschlandweit kein Museum für Romy Schneider.
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BerlinDass Ariane Rykov ein großer Romy-Schneider-Fan ist, zeigt sich auf den ersten Blick: Die Mittzwanzigerin ist ebenso zierlich, hat große, ausdrucksstarke Augen und trägt die dunklen Haare so streng zurückgebunden wie einst ihr Idol. Und sie arbeitete bereits als Schauspielerin. „Ihre Ausstrahlung war einfach so faszinierend. Gute Schauspieler gibt es viele, Romy Schneider aber lebte ihre Rollen“, begründet die junge Frau ihre Begeisterung. Seit einem Jahr ist Rykov Schlossherrin in Klein Loitz (Spree-Neiße) und baut das Gebäude zu einem Museum für Romy Schneider aus.

Bereits in ihrer Kindheit verehrte die aus der Lausitz stammende Sammlerin die 1982 in Paris gestorbene Künstlerin, die einst mit den Sissi-Filmen berühmt geworden war. „Ich habe alles gesammelt, was ich bekommen konnte, später vieles von meiner Oma geerbt und Möbel sowie Kostüme auch ersteigert“, erzählt Rykov. Seit 2010 führte sie gemeinsam mit Dieter Schleifenbaum ein Romy-Schneider-Archiv in Hamburg. „Mein Geschäftspartner hatte ein enormes Fachwissen, nachdem er nach dem Tod von Romy die Sammlung ihres Fanclubs aufgekauft hatte - darunter zahlreiche Fanpost, die sie immer selbst beantwortete.“

Nach dem Tod Schleifenbaums 2017 übernahm die heutige Schlossherrin das Archiv, lernte Uwe Marcus Rykov kennen, der in der lettischen Hauptstadt Riga einen Verlag hat und sie in ihrer Idee eines Romy-Schneider-Museums bestärkte. Schließlich gibt es so etwas – bis auf eine kleine Ausstellung in Schönau am Königssee, wo die gebürtige Österreicherin aufgewachsen war – deutschlandweit bisher nicht.

„Ich wusste, worauf ich mich da einlasse, habe quasi neben meiner Frau auch ein bisschen Romy Schneider geheiratet“, erzählt der Verleger schmunzelnd. Ursprünglich hatte das Paar mit seinem Fundus aus Filmplakaten, Autogrammkarten, Kostümen, Fotos, Büchern und Möbeln nach Berlin ziehen wollen. Aber: „Dort genügend Räumlichkeiten zu bekommen, die sich auch noch bezahlen lassen, ist einfach illusorisch“, erklärt Ariane Rykov den Grund, aus dem sie schließlich in die Lausitz zurückkehrte.

Etliche Immobilien schaute sich das Paar an. Im Sommer vergangenen Jahres entdeckte es dann das seit zehn Jahren leerstehende Herrenhaus in Klein Loitz, einem Ortsteil der Gemeinde Felixsee. Aufgrund vieler Umbauten im Laufe der Jahrhunderte steht der ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert stammende Bau mit einer Nutzfläche von 2200 Quadratmetern nicht unter Denkmalschutz.

Die Rykovs gründeten einen inzwischen mehr als 400 Mitglieder zählenden Förderverein und kauften das Gebäude von der Gemeinde inklusive eines drei Hektar großem Parks. Sehr zur Freude von Bürgermeister Peter Rabe (SPD): „Unsere Gemeinde könnte dadurch bekannter werden und das Schloss wird sinnvoll genutzt.“ Mit früheren Mietern habe der Ort schlechte Erfahrungen gemacht - bis hin zur Zwangsräumung. Bei den Rykovs habe er jedoch ein gutes Gefühl, sagt Rabe.

Im Erdgeschoss des Gebäudes soll es wechselnde Ausstellungen, Filmabende und andere Kulturveranstaltungen geben. Die erste Etage wird das eigentliche Museum für die Schauspielerin und ihr künstlerisches Werk beherbergen. Angedacht sind zudem Themenzimmer, in denen Original-Inventar von Romy Schneider steht und in denen Fans übernachten können.

Auch wenn das Schlossinnere noch immer eine große Baustelle ist: Starten will Ariane Rykov am 23. September, dem 82. Geburtstag der berühmten Schauspielerin, mit einer ersten Foto-Ausstellung im Schloss. Im Grünen Salon werden dann Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 1960er Jahren gezeigt. Die Leihgaben stammen von Roger Fritz, der laut Rykov als Assistent des italienischen Filmregisseurs Luchino Visconti für Dreharbeiten zu „Boccaccio 70“ vier Wochen lang mit der Künstlerin in einem Haus gelebt hatte.

Die Abgeschiedenheit ihres künftigen Museums sehen die Rykovs, die über bisherige Investitionen keine Angaben machen möchten, durchaus positiv. „In Berlin oder Hamburg sind die Leute kulturell übersättigt. Auf dem Land hingegen könnten wir eine überregionale Attraktion werden“, glaubt die junge Frau. Besucher kämen von weit her und verweilten daher auch länger, wovon die Region profitieren könnte, ergänzt ihr Mann.

Das sieht auch Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, so. Allerdings: „Der Name allein zieht nicht. Ausstellungen müssen spannend gemacht sein und mehr vermitteln, als bisher allgemein bekannt ist. Dann locken sie auch Besucher in die Region.“

Die Rykovs sind mit ihrem Projekt und dem Förderverein inzwischen Mitglied im Brandenburger Museumsverband, wie Referent Arne Lindemann bestätigt. „Das Thema ist schon spannend. Es bleibt abzuwarten, was sie daraus tatsächlich machen“, sagt er. Laut Lindemann gibt es rund 400 Museen in der Mark.

Ab 9. Oktober werden die Romy-Schneider-Fotos anlässlich einer Modenschau auch im Quartier 206 in Berlin gezeigt. „Die Designerin hatte uns darum gebeten. Wir nutzen die Gelegenheit, um in der Hauptstadt auf uns in der Lausitz aufmerksam zu machen“, erklärt Ariane Rykov.