Berlin - „Wir haben hier einen offenen Dissens mit der SPD“, bestätigte Stefan Schlede, Vorsitzender des Arbeitskreises Bildung in der CDU-Fraktion. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte die Einrichtung einer dritten 5. Klasse abgelehnt, da der Koalitionsvertrag maximal 70 Klassen vorsehe, die bereits ab Jahrgangsstufe 5 beginnen. Das Gymnasium beginnt in Berlin gewöhnlich mit der 7. Klasse. Gut 30 Eltern, deren Kinder den Test für eine Schnelllernerklasse am Luxemburg-Gymnasium bestanden hatten, erhielten eine Ablehnung.

Dies wiederum empört auch CDU-Fraktionschef Florian Graf. Er bezweifelt in einem Schreiben an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Berechnungen der Verwaltung, wie Schlede bestätigte. SPD und CDU würden sich sicher bald zusammensetzen, sagte Schlede. „Die jetzigen Berechnungen der Verwaltung dürften noch nicht die endgültigen sein.“

Elterninitiative appelliert an Regierungsparteien

Tatsächlich geht die Bildungsverwaltung davon aus, dass an Gymnasien nur 67 Klassen ab Jahrgangsstufe 5 eingerichtet werden dürfen. In einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Özcan Mutlu hatte die Verwaltung aber vor einem Jahr noch von 70 Klassen gesprochen. Darauf verweist nun auch die Elterninitiative am Rosa-Luxemburg-Gymnasium. „Wir appellieren an beide Regierungsparteien, nun bis Ende April zu entscheiden, sonst bleibt uns nur der Klageweg“, heißt es in dem Elternschreiben an Senatorin Scheeres, das einem Ultimatum gleich kommt. Die Bildungsverwaltung übt sich weiter in Rechenexempeln. „Wir rechnen die drei Primarklassen an der Staatlichen Ballettschule mit ein, das sind dann insgesamt 70 Klassen ab Jahrgangsstufe 5“, so Sprecherin Beate Stoffers.

Auch die Elterninitiative am Luxemburg-Gymnasium ist nicht zimperlich: Zur Not sollte doch ein anderes Gymnasium eine Klasse, die nicht komplett gefüllt werden kann, hergeben. „Umlenken“ nennen das die ambitionierten Eltern in ihrem Schreiben. Jutta Randelhoff-Szulczewski, Leiterin des Reinickendorfer Bertha-von-Suttner-Gymnasiums, warnte bereits vor einer Art Klassenkampf unter den Gymnasien: „Alle Gymnasien, die ab 5.Klasse beginnen, haben doch in etwa die gleiche Schülerschaft.“

Wenn die Pankower Eltern nun vor Gericht zögen, hätten sie übrigens gute Chancen. Denn Schulleiter Ralf Treptow hatte ihnen die Zusagen bereits schriftlich zukommen lassen. Kurz darauf musste er diese Zusagen allerdings widerrufen, ohne Rechtsmittelbelehrung.