Brauchen genauso viel Platz wie Verbrenner: Elektroautos. 
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Berlin - Die Haare wehen im Wind, was einigermaßen kühl ist am herbstlichen Abend. Aber aus viralen Gründen macht es halt Sinn, die Fenster in einem Auto herunter zu lassen, dessen Nutzung durch eine fremde Person vielleicht erst wenige Minuten zurückliegt, weil es täglich von vielen geteilt wird. Ohnehin multipliziert dieser Luftzug einen erhebenden Eindruck: So muss sich schweben anfühlen – geräuschlos und zügig. Elektroautos sind das gute Gewissen der Carsharing-Flotten, cool und der Zukunft zugewandt – auch wenn bekannt ist, dass ihre Klimabilanz durch Fertigung und Batterien alles andere als beruhigend ist.

Wie bei den Verbrenner-Leihautos mit dem Tanken, versprechen die Anbieter auch für das Aufladen an einer Ladesäule Freiminuten. Da bietet es sich an, dass der Akku zum Fahrtende ruhig mal wieder gefüllt werden könnte und um die Ecke eine Ladesäule steht. Die beiden Parkplätze davor sind allerdings besetzt – durch ein Elektroauto beim Laden und einen alten, angerosteten Mercedes. Alt heißt natürlich, dass es kein Elektroauto sein kann, das dort zum Ladevorgang steht.

Regel sinnlos ohne Kontrolle

Dieses Bild hat dreierlei Komponenten. Die erste ist die Dreistigkeit, sich auf einen klar für einen bestimmten Zweck definierten Parkplatz zu stellen. Dazu braucht es Chuzpe oder ein gehöriges Maß an Gleichgültigkeit. Aber gut, es gibt ja auch Leute, die sich bester Gesundheit erfreuen und aus reiner Bequemlichkeit ihre Fahrzeuge auf Behindertenparkplätzen abstellen.

Zweitens ist da die Frage nach dem öffentlichen Raum. Dort werden Parkplätze zugunsten der Elektromobilität umgewidmet. Das ist einerseits fortschrittlich, andererseits aber am Platzproblem vorbei gedacht, denn Auto ist Auto, sprich: Ein Fahrzeug mit Elektroantrieb nimmt den gleichen Raum ein wie ein Verbrenner. Durch den Umstieg auf Elektro ist noch kein Raum gewonnen – auch weil die Ladeinfrastruktur öffentlichen Raum beansprucht, was ein Geburtsfehler ist, denn es sind private Unternehmen, die davon wirtschaftlich profitieren. Tankstellen stehen auf privaten Grundstücken. Nur mal so als Denkanreiz.

Drittens bleibt die Kontrolle. Eine Regel ist am Ende nur so viel wert wie die Sicherstellung, dass sie eingehalten wird. Sieht man ja am Infektionsschutz. Für mehr Gedanken bleibt keine Zeit, denn da vorne ist ein freier Parkplatz.