Berlin - Berlin braucht dringend neue Wohnungen, doch der Neubau droht an Tempo zu verlieren. Denn Linkspartei und Grüne fordern in den laufenden Koalitionsverhandlungen mit der SPD, dass die Bürger künftig stärker an den Planungen beteiligt werden. Die Sozialdemokraten befürchten, dass sich so wichtige Bauvorhaben in der Stadt verzögern.

Besonders umstritten: Elisabeth-Aue in Pankow

Besonders umstrittene Bauprojekte wie die Errichtung von 5000 Wohnungen auf der Elisabeth-Aue in Pankow sollen sogar ganz gestrichen werden, wenn es nach Grünen und Linken geht, erfuhr die Berliner Zeitung aus den Koalitionsverhandlungen. „In der Summe geht es um viele tausend Wohnungen“, verlautete aus SPD-Kreisen.

Dort ist man alarmiert. Für die Sozialdemokraten und den bisherigen Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) ist der Neubau besonders wichtig, um den steigenden Bedarf an Wohnraum abzudecken.

In den vergangenen Jahren ist Berlin um mehr als 40.000 Menschen pro Jahr gewachsen. Deswegen werden in den nächsten Jahren 20.000 neue Wohnungen jährlich benötigt. Allein 45.000 bis 50.000 Wohnungen sollen in zwölf Gebieten errichtet werden, die Geisel vor wenigen Monaten präsentiert hat.

Die SPD wollte in den Koalitionsgesprächen erreichen, dass Linke und Grüne die bisherigen Überlegungen mittragen. Ausgerechnet bei der Planung für die Elisabeth-Aue sind die Sozialdemokraten damit jedoch in der Facharbeitsgruppe auf Granit gestoßen.

Linke und Grüne wollen das freie Feld vor einer Bebauung bewahren, so wie mehrere Naturschutzverbände. Wenn es auch in der großen Koalitionsrunde dabei bleibt, wird eines der größten Bauprojekte der nächsten Jahre nicht realisiert. Sowohl Grüne als auch Linke sehen kein Problem darin. Der Neubau in der Stadt werde „nicht abgewürgt“, sagte ein Mitglied der Verhandlungskommission.

Erstmal vertagen und weiter planen

Die Verhandler der SPD wollten sich mit Linken und Grünen zusätzlich zu den zwölf bekannten neuen Wohngebieten noch auf den Bau von vier weiteren Großprojekten für mehrere tausend Wohnungen verständigen, doch die Sozialdemokraten konnten sich auch damit nicht durchsetzen. Statt die Gebiete namentlich festzulegen, vereinbarte die Facharbeitsgruppe, die weiteren Standorte erst im Zuge der nächsten Planungen zu benennen.

Bei den vier Gebieten handelt es sich um ein Areal an der Kiefholzstraße in Treptow-Köpenick, wo 1250 Wohnungen entstehen könnten, sowie um Areale an der Otisstraße in Reinickendorf (1350 Wohnungen), in Späthsfelde (700 Wohnungen) und am Freizeitpark Marienfelde (2500 Wohnungen).