Die 47-jährige Politologin Claudia Sünder, zuletzt Pressesprecherin der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo, wird neue Sprecherin des rot-rot-grünen Senats. Mit der Entscheidung setzt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) einer längeren Hängepartie ein Ende. Müller hatte sich mit seiner langjährigen Sprecherin Daniela Augenstein, die ihn schon in der Landespartei und in der Senatsbauverwaltung begleitete, entzweit. Die (inzwischen) 38-Jährige Augenstein verließ kurz nach der Wahl im September die Spitze des Presseamts in der Senatskanzlei. Seitdem war die wichtige Kommunikationsstelle vakant.

Sünder wird nicht, wie es Augenstein war, als Staatssekretärin eingestellt, sondern nur im Rang einer Abteilungsleiterin. Das liegt daran, dass Müller seine vier Staatssekretärsposten schon ausgeschöpft hat. Neben Senatskanzleichef Björn Böhning und dem für Wissenschaft zuständigen Steffen Krach ist Sawsan Chebli Staatsekretärin für Bundesangelegenheiten. Zudem hatte Müller seinen Vertrauten Engelbert Lütke Daldrup zum Staatssekretär für die Flughafenkoordination und für „Strategien für Berlin“ ernannt.

"Engagierte und politisch erfahrene Frau"

Claudia Sünder, geboren in Mecklenburg-Vorpommern, kam 2014 zur Degewo, zuvor war sie verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Kolping Bildungswerkes Württemberg. Die Sozialdemokratin, Mutter zweier Teenager, trat zur Bundestagswahl 2013 im baden-württembergischen Wahlkreis Aalen-Heidenheim an, scheiterte aber an ihrem CDU-Konkurrenten. Sie machte sich für Bildungs-, Arbeits-, familien- und frauenpolitische Themen stark. „Mit Claudia Sünder haben wir eine engagierte und politisch erfahrene Frau für die Arbeit in der Senatskanzlei gewinnen können“, teilte Müller am Donnerstag mit.

Auch Sünders zwei Stellvertreter, ernannt von den Koalitionspartnern, stehen nun fest. Es sind die beiden ehemaligen Fraktionssprecher der Linken, Kathi Seefeld, und der Grünen, Julian Mieth. Die gelernte Journalistin Kathi Seefeld war bereits seit 2002 Sprecherin der Linksfraktion und ist eine der erfahrensten Kommunikatorinnen der Landespolitik. Der studierte Kommunikationsdesigner Julian Mieth, 34, vor seiner Zeit bei den Grünen ebenfalls Journalist unter anderem bei dpa, hatte zuletzt die Wahlkampfkommunikation der Grünen übernommen.

Die drei Neuen im Presseamt sollen anders als in vergangenen Koalitionen möglichst eng zusammenarbeiten, um die rot-rot-grüne Politik als Ganzes zu präsentieren. Nach dem chaotischen Start etwa mit umstrittenen Staatssekretärsbesetzungen ist das keine kleine Aufgabe.