Berlin - Das Probejahr für Siebtklässler an Gymnasien bleibt nun doch erhalten. Darauf haben sich nach langem Streit  SPD, Linke und Grüne bei den Koalitionsverhandlungen zum Thema Bildung am Mittwoch geeinigt. Auf die Abschaffung des Probejahres hatten vor allem die Linke und auch die Grünen gedrängt. Sie wollten damit dem Gymnasium seinen exklusiven Charakter nehmen und darauf hinwirken, dass dort alle Schüler zu einem Abschluss gebracht werden.

Doch insbesondere die SPD-Verhandlungsführer um Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Staatssekretärin Mark Rackles waren dagegen, wollten nicht für zu viel Unruhe an den Schulen sorgen. Das Thema Probejahr wird nun überhaupt nicht im Koalitionsvertrag auftauchen. Es könne aber sein, dass es noch einmal entsprechende Initiativen geben könnte, merkten Grünen-Landeschefin Bettina Jarasch und Linke-Bildungspolitikerin Regina Kittler an.

Gemeinschaftsschulen sollen gestärkt werden

Damit ist auch der Kompromissvorschlag der Grünen vom Tisch. Sie hatten angeregt, dass sich Gymnasien in einem Pilotprojekt freiwillig dazu verpflichten könnten, das Probejahr für Siebtklässler abzuschaffen. Insgesamt aber werden nun die Gemeinschaftsschulen noch deutlicher gestärkt werden. Als schulartenübergreifende Regelschulart, die Mittel- und auch gymnasiale Oberstufe umfasst, sollen sie im Schulgesetz festgeschrieben werden. Es wird weiter wissenschaftlich begleitet. Bisher sind die 24 Gemeinschaftsschulen, die von der 1. bis bestenfalls zur 13. Klasse gehen, nur ein Pilotprojekt. Grund- und Oberschulen sollen sich leichter in Gemeinschaftsschulen umwandeln lassen. Als Anreiz darf die Grundschule nun ihre eigene Schulleitung in eine Gemeinschaftsschule miteinbringen. Und bei Neugründungen wünscht Rot-Rot-Grün vorzugsweise Gemeinschaftsschulen.

Beim Schulhort soll die Bedarfsprüfung schrittweise wegfallen, eine Hortgebührenfreiheit für Eltern, wie es SPD-Politiker gefordert hatten, wird es aber nicht geben. Auch sonst steht noch einiges unter Finanzierungsvorbehalt. Prinzipiell einig ist Rot-Rot-Grün, dass die Grundschullehrer sich schrittweise dem Studienratsgehalt (EG13) annähern sollte – zunächst  für die Lehrer, die nach der neuen Grundschulstudienordnung studiert haben. Darüber wie auch über die Ausgestaltung des umfangreichen Schulsanierungs- und neubauprogramm und Maßnahmen im Kita-Bereich werde noch an anderer Stelle entschieden.

IT-Fachkräfte für die Schulen

In Kitas soll die Bedarfsprüfung zumindest für die siebenstündige Betreuung wegfallen, nicht aber für die neunstündige Betreuung. Das betrifft etwa arbeitslose Eltern. Linke-Politiker Tobias Schulze kündigte zudem ein Familienfördergesetz an, das gerade Alleinerziehende stärken soll. Rackles führte aus, dass perspektivisch jede große Schule eine IT-Fachkraft und einen Verwaltungsleiter haben sollte, auch an Grundschulen sollen mehr Stellen mit besonderer Verantwortung geschaffen werden. Auch ein Extraprogramm für Begabtenförderung für alle Schularten soll aufgelegt werden. Insgesamt verfolge man ein gemeinsames Leitbild, betonte Jarasch. Die inklusive, sozial gerechte und leistungsfähige Schule.