Berlin - Als der Regierende Bürgermeister und SPD-Landeschef Michael Müller am vergangenen Wochenende auf dem SPD-Parteitag spontan zum Rundumschlag gegen seine Koalitionspartner Grüne und Linke ausholte, war da viel Frust aus seinen Sätzen zu hören. Er wisse, dass die Umfragewerte schlecht seien, sagte Müller da. Ob er trotzdem oder gerade deswegen zu der Verbalattacke gegen seine Bündnispartner ausholte, bleibt sein Geheimnis. Fakt ist: Der Druck auf den Senatschef und die Berliner SPD steigt weiter.

Laut der aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Berliner Zeitung liegt die SPD in Berlin nur noch bei 15 Prozent – zwei Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Auch die CDU verlor und liegt jetzt bei 18 Prozent. Gewinner sind die Grünen, die inzwischen bei 25 Prozent liegen und ganze drei Prozentpunkte hinzugewinnen konnten. Die Linke liegt unverändert bei 18 Prozent.

Die AfD verlor einen Prozentpunkt und liegt nun bei zehn Prozent, während die FDP einen Punkt gewinnen konnte. Sie käme nun auf acht Prozent, wenn kommenden Sonntag in Berlin Abgeordnetenhauswahl wäre.
Das rot-rot-grüne Bündnis hat damit immer noch eine stabile Mehrheit von 58 Prozent. Aber im März traute knapp die Hälfte (47 Prozent) der Befragten keiner Partei zu, mit den Problemen in der Stadt fertig werden zu können. Vor genau einem Jahr waren es noch 52 Prozent. Am ehesten billigen die Berliner weiter den Grünen politische Kompetenz zu – gefolgt von der SPD.

Beliebtheitsskala in Berlin: Zehn Senatorinnen und Senatoren schneiden besser als im Vormonat ab

Der März hat die Berliner aber gnädig gestimmt. Die Landespolitiker haben zumindest keinen Grund sich zu beschweren: Immerhin hat keiner der abgefragten politischen Akteure in der Bundeshauptstadt an Beliebtheit verloren. Oft sind es ja bekanntlich die kleinen Dinge, über die man sich freuen kann.

Im Vergleich zum Vormonat schneiden zehn Senatorinnen und Senatoren sogar besser ab – nur beim Regierenden Bürgermeister Michael Müller und SPD-Landeschef hat es keine Veränderung gegeben. Vor dem Hintergrund der schlechten Umfragewerte der SPD (15 Prozent) kann auch das als kleiner Erfolg verbucht werden.

Müller steht an achter Stelle in der Beliebtheitsskala, vor Verkehrssenatorin Regine Günther (für Grüne), Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die die Schlusslichter bilden – farblich also alles ausgewogen.

Alle drei Senatorinnen besetzen zudem Ressorts, in denen aktuell hitzige Debatten geführt werden und die Meinungen auseinandergehen: Beim Wohnen geht es um die Frage von Enteignungen von Wohnungsunternehmen, beim Verkehr werden ideologische  Verteilungskämpfe geführt und in der Bildung debattiert man darüber, ob Berlin seine Lehrer wieder verbeamten soll – oder besser nicht.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ist Berlins beliebtester Politiker

Die Wohnungsnot in der Stadt bleibt für die Befragten im März auch das dringlichste Problem. Verkehr und Bildungs- und Schulpolitik folgen auf Platz zwei und drei. Unangefochten auf Nummer eins bleibt Kultursenator Klaus Lederer (Linke), dicht gefolgt von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Kollatz und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) konnten dabei im Vergleich zum Vormonat am meisten zulegen.

Obwohl die Berliner Sozialdemokraten bei der Umfrage zur Abgeordnetenhauswahl hinter den Grünen, den Linken und der CDU immer noch an vierter Stelle liegen, trauen elf Prozent der Befragten den Genossen am ehesten zu, mit den Problemen in der Stadt fertig zu werden. Nur die Grünen stehen mit 15 Prozent besser da.

Jamaika-Koalition würde im März auf 51 Prozent kommen

Die rot-rot-grüne Regierung ist mit 58 Prozent stabil – interessant aber, dass eine Jamaika-Koalition bestehend aus Grünen, CDU und FDP im März auf 51 Prozent kommen würde.

Die Grünen bleiben die Gewinner – auf Landesebene (25 Prozent) sowie auch auf Bundesebene, wo sie auf 24 Prozent kommen würden, wenn am Wochenende Bundestagswahl wäre. Den Trend im Bund spürt auch die SPD in Berlin weiter. Der SPD unter Andrea Nahles geht es noch ein bisschen schlechter.

Gerade mal 13 Prozent der Menschen würden ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten setzen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. 
Die CDU käme auf 21 Prozent: Drei Prozentpunkte weniger als noch im Vormonat. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer büßt an Beliebtheit ein, das wirkt sich aus.

Linke (16 Prozent) und FDP (8 Prozent) konnten jeweils einen Prozentpunkt dazu gewinnen. Die AfD hält sich im März stabil bei zwölf Prozent.