Routen: Aufmarsch von Identitärer Bewegung und Gegendemonstrationen

Berlin - Gelbe Fahnen mit dem Lambda-Zeichen, ausländerfeindliche Parolen: Am Samstag plant die rechtsradikale „Identitäre Bewegung“ eine größere Demonstration in Berlin. Startpunkt des Aufmarschs ist der Bahnhof in Gesundbrunnen – also ein Viertel, in dem viele Migranten wohnen.

Von dort aus wollen die Rechtsextremisten ab 14 Uhr über die Brunnenstraße und entlang der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße Richtung Hauptbahnhof ziehen. Die Demonstration der „Identitären“ findet anlässlich des Jahrestages des 17. Juni 1953, dem Volksaufstand in der DDR, statt.

Proteste und Blockaden gegen Demo der „Identitären“ angekündigt

Der Aufzug der „Identitären Bewegung“ ist mit 1000 Teilnehmern angemeldet. Bereits seit Monaten mobilisieren die Rechten für ihre Veranstaltung europaweit Anhänger und Sympathisanten. Wie viele Demonstranten nun am Samstag tatsächlich marschieren, ist bislang unklar.

Die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus in Berlin geht allerdings von einer Teilnehmerzahl im „mittleren bis höheren dreistelligen Bereich“ aus. Damit wäre die Demonstration um ein vielfaches größer als die im vergangenen Jahr: Am 17. Juni 2016 waren nur etwa 130 „Identitäre“ durch Mitte gezogen.

Die „Identitäre Bewegung“ hat französische Wurzeln und ist seit 2012 auch in Deutschland aktiv. Nach Schätzungen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus hat die Gruppe bundesweit rund 400 Mitglieder, in Berlin etwa 30. Die rechtsradikale Gruppierung wendet sich gegen „Multikulti-Wahn“, „unkontrollierte Massenzuwanderung“ und den „Verlust der eigenen Identität durch Überfremdung“. Seit Juli vergangenen Jahres werden sie auch in mehreren Bundesländern – darunter auch Berlin – vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die Routen der Gegendemonstranten

Verschiedene Gruppen und Initiativen haben unterdessen Gegenproteste angekündigt, einige linke Gruppierungen riefen auch zu Blockaden auf.

Die Gegendemonstration des Berliner Bündnisses gegen Rechts beginnt am Samstag um 12 Uhr am Leopoldplatz in Wedding. Von dort aus soll der Zug über die Schererstraße und die Wiesenstraße bis zur Hussitenstraße/Bernauer Straße führen. Diese Demonstration ist laut Polizeisprecher Michael Gassen mit ebenfalls 1000 Teilnehmern angemeldet.

Auch der Verein „Die Vielen“ will gegen den rechten Aufmarsch protestieren: Die „Glänzende Demonstration“ der Künstler soll um 14 Uhr an der Alten Münze (Molkenmarkt 2) starten und über den Hackeschen Markt und die Rosenthaler Straße bis zur Eichendorffstraße/Ecke Invalidenstraße führen. Diese Demo ist mit 100 Teilnehmern angemeldet. Alle anderen geplanten Gegenveranstaltungen der Linken wurden kurzfristig abgesagt, sagte Gassen der Berliner Zeitung auf Anfrage. 

Auch Kurden planen Demonstration am 17. Juni

Allerdings planen auch die Kurden am Samstag einen Protestzug unter dem Motto „Solidarität mit Rojava und Shengal“. Dieser ist mit 1000 Teilnehmern angemeldet und soll um 12 Uhr am Mathilde-Jacob-Platz in Moabit starten. Von dort aus ziehen die Demonstranten über die Turmstraße, Rathenower Straße und Fennstraße bis zum U-Bahnhof Schwarzkopffstraße.

Wie viele Polizisten bei den Demonstrationen im Einsatz sein werden, steht laut Polizeisprecher Gassen erst am Samstag definitiv fest. Jetzt schon klar ist, dass Autofahrern zahlreiche Straßensperrungen drohen.