Das Internet war kaputt. Also das WLAN ging nicht. Oben im Bildschirm zeigte die Antenne die gewohnten vier Streifen, aber der Rechner meldete: Server nicht gefunden. Ja, die Rechnung war bezahlt. Ja, sie hatte auch den Router neu gestartet. Das WLAN ging trotzdem noch nicht. Sie musste aber ins Internet, um arbeiten zu können. Ein Versuch bei der Hotline scheiterte. Alle freien Plätze belegt, „bitte rufen Sie später noch mal an“.

Dafür hatte sie erstmal keine Zeit. Zuerst ging sie zu einem Freund mit Büro und Rechnern und Internet. „Hast du die Rechnung bezahlt?“ fragte er. „Hast du den Router neu gestartet?“ Dann bekam sie einen Kaffee und durfte seinen Rechner benutzen. 

Die kleinen Freuden der Internetlosigkeit

Am nächsten Tag ging das Internet immer noch nicht, die Hotline war wieder besetzt, und sie hatte keine Lust zu warten. Sie nahm den Laptop und ging in den kleinen Park um die Ecke. Dort gab es zwar auch kein WLAN, aber in der Sonne und mit dem Laptop auf den Knien ließ es sich gut schreiben. Sie war schon lange nicht mehr um diese Uhrzeit draußen gewesen. Sonst saß sie ja immer zu Hause am Rechner. Sie sah die Frauen mit den Kinderwagen, die spielenden Kinder, die Drogendealer und das rote Herbstlaub. Als sie Hunger bekam, ging sie in einen Dönerladen und benutzte dann dort das schnelle Dönerladen-WLAN zum Weiterschreiben. 

Am nächsten Tag kam sie im Architekturbüro eines Bekannten unter, sie hatte Schokolade mitgebracht und bekam eine Wan-Tan-Suppe spendiert. „Hast du die Rechnung bezahlt und den Router neu gestartet?“, wurde sie wiedermal gefragt. Am Abend gingen sie zusammen ins Kino. Sie war schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Kino gewesen, aber nun konnte sie ja zu Hause keine Netflix-Serien gucken. Am Abend las sie den Roman weiter, den sie vor Wochen mal angefangen hatte. Es war ein großartiger Roman. Gern hätte sie den Schriftsteller gegoogelt, aber sie hatte ja kein Internet und nahm sich vor, sich mal wieder darum zu kümmern. 

Endlich wieder online

Am nächsten Tag schien wieder die Sonne, diesmal setzte sie sich mit dem Rechner auf eine Bank vor der Stadtbibliothek. Die hatten WLAN, und auf dem Weg dorthin war sie spontan in eine kleine Galerie gegangen. Die Bilder gefielen ihr ebenso gut wie der Park, der Kinofilm und der Roman.
Am späten Nachmittag musste sie zu Hause sein. Ein Freund wollte sich mal ihre Technik ansehen. Natürlich kam wieder zuerst die Frage: „Hast du die Rechnung bezahlt und den Router neu gestartet?“

Und dann hatte er den Fehler gefunden. Beim Staubsaugen vor ein paar Tagen musste sie irgendwie gegen die Steckdose gekommen sein. Als er den Stecker des Routers wieder in die Steckdose steckte, blinkten die kleinen Lämpchen auf – und sie war wieder online mit der Welt verbunden.
Sie surfte die ganze Nacht im Internet – und verschlief den nächsten Tag, trotz der schönen Sonne.