Berlin bekommt einen neuen Tunnel – sieben Kilometer lang von der Rudolf-Wissell-Brücke bis nach Tiergarten. Betreten oder befahren kann ihn kein Normalbürger: Der Tunnel wird ausschließlich zum Stromtransport in der „380-Kilovolt-Kabeldiagonale“ genutzt werden. Bauherr ist der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, eines der Unternehmen, die in Deutschland Hochspannungsleitungen als Stromautobahnen unterhalten.

Der Tunnel, der voraussichtlich 250 Millionen Euro kosten wird, nimmt seinen Anfang am Endpunkt einer Freileitung neben der Rudolf-Wissell-Brücke, führt über das Umspannwerk Charlottenburg an der Darwinstraße zum Umspannwerk Mitte an der Tiergartener Bissingzeile. Er wird nötig, weil die Kabel im in den 90er Jahren errichteten Vorgängerbau nicht mehr ausreichend Kapazität haben.

Die Bundesnetzagentur hat die Erneuerung in den Bundesbedarfsplan aufgenommen, damit die Trasse den Anforderungen ans Netz wieder gerecht werden kann: Mit den neuen Energiequellen Wind und Sonne ist die Belastung nicht mehr so gleichmäßig wie bei der Stromversorgung ausschließlich aus Kraftwerken. Deshalb wird die „Stromtragfähigkeit“ von 1 600 auf 2 500 Ampere erhöht.

Schildvortriebsmaschine wird versenkt

Von den Arbeiten werden die Berliner kaum etwas mitbekommen: Eine Schildvortriebsmaschine wird am Startpunkt ins Erdreich versenkt, wird sich dann binnen vier Jahren in 20 bis 30 Meter Tiefe in Richtung Osten vorwärtsbewegen.

Hinter ihr wird der Tunnel mit Betonteilen ausgekleidet und einen Innendurchmesser von drei Metern haben. Weitere, kleinere Zugangsschächte werden an den beiden Umspannwerken und voraussichtlich an der Klopstockstraße in Tiergarten nötig.

Kabelverbindung verknüpft Stromnetze

Auch die Umweltbelastung soll gering sein, das Grundwasser muss nicht abgesenkt werden. Der Baubeginn ist für Herbst 2020 vorgesehen, wenn bis dahin alle Genehmigungen vorliegen. In Betrieb gehen sollen die Kabel im Jahr 2028.

Die Kabelverbindung verknüpft die Stromnetze im Ost- und Westteil der Stadt und gehört zu einer teilweise noch oberirdisch verlaufenden Strecke vom Spandauer Teufelsbruch über Kraftwerk Reuter West, Mitte und Marzahn bis nach Neuenhagen. Bis 2030 werden weitere Abschnitte modernisiert.