Der größte Fehler der Schröder'schen Agenda-Politik war womöglich ihre emotionale Kälte. Es ist den damals mächtigen Sozialdemokraten nicht gelungen, den Menschen das Gefühl zu geben, ihre Partei sei noch für sie da. Ausgerechnet in der Arbeitslosigkeit, einer materiellen und emotionalen Extremsituation, fühlten sie sich von ihrer Partei verlassen. Mit brachialer Gewalt setzten Schröder und Müntefering die Reform durch.

Monatelange Massendemonstrationen haben sie ignoriert. Gerade weil sie beide für sich in Anspruch nehmen konnten, aus einfachen Verhältnissen zu stammen, wurde ihre Konsequenz, man könnte auch sagen ihre Brutalität, genau diesen einfachen Leuten gegenüber als besonders zynisch empfunden. Schläge, die man von seinesgleichen bekommt, tun mehr weh, als Schläge vom Feind. Vielleicht wäre die Sache damals noch etwas glimpflicher ausgegangen, hätte die SPD gleichzeitig den Mindestlohn eingeführt und wäre hier nicht vor den Gewerkschaften eingeknickt, die auf ihrer Tarifhoheit beharrten.

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