Sie sind die Helden unserer Stadt. Kommen und retten, wenn es brennt, leisten bei Unfällen oder Katastropheneinsätzen erste Hilfe: Die Männer und Frauen der Berliner Feuerwehr. Jetzt erschüttert ein Skandal die Rettertruppe. Es geht um schlimme Vorwürfe und einen Verdacht gegen Reinhard W., den ehemaligen und langjährigen Landesjugendfeuerwehrwart.

Am vergangenen Sonnabend habe der Mann „überraschend seinen Rücktritt“ bekanntgegeben, informierte die Feuerwehr am Dienstagnachmittag in einer offiziellen Pressemitteilung. Die von dem 59-Jährigen „aufgeführten Gründe und zudem weitere Hinweise von Verantwortungsträgern der Freiwilligen Feuerwehr“, hieß es weiter, „deuten auf ein mögliches strafbares Fehlverhalten mit Bezug zu seiner Tätigkeit als Jugendfeuerwehrwart hin“.

In einem internen Schreiben von höchster feuerwehrinterner Stelle, das dieser Zeitung vorliegt, steht zudem, dass „die Hintergründe in engem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Jugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshagen zu sehen sind“. Daher seien weitere „zuständige Verantwortungsträger“ über die Hintergründe des Rücktritts informiert worden.

Ein Bundesverdienstkreuz-Träger

Dass es bei den offiziell nicht näher beschriebenen Vorwürfen nicht etwa um Veruntreuung von Geld oder Abrechnungsbetrug geht, sondern um weitaus Schlimmeres, wird wenige Absätze später klar. So heißt es in der internen Mitteilung der Behördenleitung, dass nun die „Betreuung von betroffenen Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen- und Jugendfeuerwehr durch Experten“ im Vordergrund stehe. Zugleich wird in dem Schreiben versichert, dass der „Sachverhalt vollumfänglich aufgearbeitet wird“.

Auch bei der Berliner Polizei sind die Vorgänge intern bekannt. Bei Redaktionsschluss dieser Zeitung gab es aber noch kein offizielles Ermittlungsverfahren gegen den zurückgetretenen 59-Jährigen. Auf der Führungsebene der Feuerwehr werden aufgrund „der den Rücktritt betreffenden Gründe sowie weiteren Hintergrundinformationen“ rechtliche Schritte gegen den 59-Jährigen geprüft.

Reinhard W., der 1999 die Sonderstufe des Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Ehrenzeichens (die höchste Auszeichnung der Feuerwehr) und dem 2003 sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, erhielt von der Behördenleitung nun ein „Verbot der Dienstausübung“. Für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen war der Mann gestern nicht zu erreichen.