Rummelsburger Bucht: Gericht verbietet den Bau schwimmender Häuser

Berlin - Wohnen auf dem Wasser – für viele ist es ein Lebenstraum. Für Arthur Fischer dagegen ist aus dem Wunsch längst ein Albtraum geworden. Seit zehn Jahren kämpft der Berliner Architekt darum, in der Rummelsburger Bucht am Stralauer Ufer acht Einfamilienhäuser auf dem Wasser zu bauen.

Zweistöckige Bungalows auf Pfählen und Betonpontons mit 120 bis 140 Quadratmetern Wohnfläche sollen es werden. Floating Lofts heißen diese luxuriösen Appartements auf Neudeutsch. Die Außenwände zedernholzverkleidet, großzügige Dachterrasse, über einen stählernen Steg sind die Bungalows zu erreichen. Die Investitionssumme liegt insgesamt bei drei bis vier Millionen Euro.

Viel Geld investiert

Fischer will selbst in eines der Häuser ziehen. Doch seit zehn Jahren kommt er seinem Traum nicht näher. Am Donnerstag musste der 54-Jährige nun einen schweren Rückschlag hinnehmen. Das Berliner Verwaltungsgericht wies seine Klage ab, mit der er die ausstehende Genehmigung erzwingen wollte. Der Grund ist letztlich alarmierend: Das Wasser ist zu sehr vergiftet, um darauf zu wohnen, argumentierte die Wasserbehörde. Und die Richter folgten diesem Argument.

Fischer hat mit seinem Projekt einen Wettbewerb gewonnen, alle Auflagen erfüllt, er hat alles beisammen – bis auf ein Dokument. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat schon 2012 eine Baugenehmigung erteilt. Der Bauherr braucht aber für den Start auch die wasserrechtliche Genehmigung, und die wird ihm von der zuständigen Behörde verweigert. Vor drei Jahren hat der Architekt Klage gegen das Land Berlin eingereicht, am Donnerstag wurde sie nun verhandelt.

Senat fördert und behindert den Bau

Für Fischer ist vieles völlig unverständlich: Für ein Vorgängerprojekt hatte das Land schon einmal alle Genehmigungen erteilt, auch die wasserrechtliche. Die Pläne scheiterten damals, aber Fischer wollte praktisch mit den gleichen Grundparametern das Projekt wieder aufnehmen. Ihm jedoch wird die Erlaubnis verweigert. Fischer versteht auch nicht, dass ihn der Senat ermutigt hat, das Projekt in Angriff zu nehmen – mit dem Senat hat er einen Vertrag abgeschlossen. Eine diesem untergeordnete Behörde aber blockiert den Bau.

Fischer musste das Projekt entwickeln, Parkplätze für die künftigen Bewohner kaufen, die Rechte für eine Spundwand am Ufer des Sees und einen Erbpachtvertrag für die Wasserfläche über 66 Jahre schließen. Die gehört dem Bund, weil die Bucht eine Bundeswasserstraße ist. Alles verursachte beträchtliche Kosten.

Das giftigste Gewässer Berlins

Doch darum könne es in dem jetzigen Verfahren nicht gehen, machte der Richter deutlich. Das Gericht habe lediglich die Frage zu entscheiden, ob die Wasserbehörde das Recht hatte, die Genehmigung zu verweigern. Und die hatte es nach Auffassung der Richter. Gestützt auf ein wissenschaftliches Forschungsprojekt der TU hatte die Behörde argumentiert, es bestünden große Gesundheitsgefahren bei einer Verwirklichung des Projektes.

Die Untersuchungen hätten ergeben, dass der Rummelsburger See das giftigste Gewässer Berlins ist. Der See sei „biologisch quasi tot“, behauptete der Anwalt der Behörde. Es handele sich „ um eine subhydrische Deponie“. Auf ihr zu leben, sei niemandem zuzumuten. Nur ein Gewässer in Deutschland sei vergleichbar belastet: der Hamburger Hafen.

Bisherige Sanierung reicht nicht

Für die Sanierung des Rummelsburger Sees ist seit der Wende viel getan worden. Ein Wehr versperrt den Eingang zur Bucht, es soll die Verwirbelung der Sedimente mindern. 60.000 Kubikmeter Faulschlamm sind schon vor geraumer Zeit abgepumpt worden. Eisenpräparate und Kalknitrat wurden eingebracht, um Giftstoffe wie Schwermetalle Mineralöle und organische Schadstoffe zu neutralisieren. Und doch sei der 45 Hektar große See „immer noch extrem hoch und flächenhaft belastet“, heißt es in dem Forschungsbericht der TU. Keine Aussicht auf eine wasserrechtliche Genehmigung also, auch nicht mittel- oder langfristig.

Die Wasserbehörde habe ihre Aufgabe erfüllt, befanden die Richter. Folgt auch das Oberverwaltungsgericht dieser Sicht, dann bleibt Fischer nichts, als seinen Vertrag rückabzuwickeln und vom Senat Schadensersatz zu fordern.