Seit Jahren wird um die letzten freien Flächen an der Mole des Nordufers der Rummelsburger Bucht gestritten. Der israelische Investor Benjamin Kahn will dort sein ambitioniertes Projekt „Korallenwelt“ verwirklichen, das die Anwohner – typisch Berlin – meist respektlos „das Wasserhaus“ nennen. Die Eltern aus dem Kiez aber wollen lieber eine Gemeinschaftsschule, denn in die Neubauten am Rummelsburger See sind in den letzten Jahren vor allem junge Familien gezogen. Und auch bei den 500 Wohnungen, die jetzt noch neu entstehen, wird das nicht anders sein.

Für den Neubau einer Schule hatten sich auch Linke und Grüne in der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung stark gemacht. Das Bezirksamt sieht jedoch keine Möglichkeit. Das Grundstück gehört bereits seit September 2016 Jahres dem Investor. Würden die Verträge rückabgewickelt, müsste das Land Berlin wohl beträchtliche Entschädigungen zahlen.

Exotik steht nicht im Mittelpunkt

Kahns Projekt klingst faszinierend. Für 40 Millionen Euro will er eine Art Aquarium bauen – jedoch nicht wie am Zoo oder das Sealife. Vielmehr soll das gesamte Ökosystem anschaulich gemacht werden in seinen Wechselwirkungen von Wasser, Tieren und Landschaft.

Obwohl es natürlich auch einen Korallengarten geben soll, steht die Exotik nicht im Mittelpunkt. Auch die Nordsee und das Leben in den Berliner Gewässern werden vorgestellt. An der flachen Westseite des Rummelsburger Sees leben – trotz seiner großen Schadstoffbelastung – viele geschützte Pflanzen und Tiere, und die sollen auch nicht verschwinden.

Israel, Australien, Hawai, Mallorca, Rummelsburg?

Investor Kahn hat vergleichbare Parks bereits in Israel, Australien, auf Hawaii und Mallorca aufgebaut. In Berlin soll das Projekt vom Architektenbüro Maske+Suhren umgesetzt werden. An das Haus soll sich zum Rummelsburger See hin terrassenförmig ein öffentlicher Park bis ans Paul-und-Paula-Ufer anschließen, den die Landschaftsmaler vom Büro Hager und Partner konzipiert haben.

Vielen in den Kiezbeiräten von Rummelsburg und Stralau gefällt das Konzept durchaus. „Wir sind froh, dass hier nicht so eine Art Entertainment-Park entstehen soll mit Wasserrutschen oder Karussells“, sagte Anwohner Jürgen W. Laue, selbst von Hause aus Architekt. Bedenken gab und gibt es allenfalls wegen des zu erwartenden Besucherverkehrs. Die Straßen im Wohngebiet würden von parkenden Autos verstopft, so die Befürchtung.

Zudem drängen die Anwohner auf eine neue Schule. „Dafür brauchen wir eine Lösung sagt Claudia Engelmann, Linken-Bezirksverordnete und Vorsitzende des Elternausschusses in Lichtenberg. Den Eltern sei immer wieder vorgeworfen worden, sie wollten mit ihrem hartnäckigen Beharren das Wasserhaus verhindern. „Aber das ist falsch“, sagt sie. Es sei nur so, dass in den letzten zwei Jahrzehnten immer wieder wichtige Entwicklungen „verschlafen“ wurden.

Bevölkerungsentwicklung verschlafen

„Ich ärgere mich, das die Bevölkerungsentwicklung offensichtlich falsch eingeschätzt wurde, und das nicht nur einmal,“ kritisiert Engelmann. „Als unsere Kinder ganz klein waren, gab es am Lichtenberger Ufer zu wenig Kita-Plätze. Als die Kinder in die Grundschule kamen, gab es zu wenig Grundschulplätze.“ Jetzt gibt es Pläne auf einen neuen Standort an der Hauptstraße. Aber bis dieser fertig sei, könnten die meisten Kinder das Grundschulalter hinter sich gelassen haben.

Jetzt zeichnet sich möglicherweise eine Alternative ab. In der nahe gelegenen Marktstraße gibt es ein Oberstufenzentrum, das möglicherweise verlagert werden kann. Wenn der Senat mitspielt, könnte das Gebäude, in dem sich früher ein Gymnasium befand, wieder als bezirkliche Schule genutzt werden. Auch Schulstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) will das Kapitel abschließen. Die Rummelsburger Bucht wurde vor mehr als zwei Jahrzehnten zum Entwicklungsgebiet erklärt, langsam müsse dieser Abschnitt abgeschlossen werden, sagt der Schulstadtrat.