Berlin - Selbst penible Finanzbeamte können mit spontihaften Aktionen auf sich aufmerksam machen. Jüngere und ältere Finanzbeamte rannten am Mittwoch in einem Staffellauf vom Ausbildungszentrum in Königs Wusterhausen bis zum Amtssitz von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) in Mitte, wo sie gut durchgeschwitzt ankamen. Vor Ort präsentierten sie dem Finanzsenator ihre zentrale Forderung: Derzeit stehen nämlich 165 Anwärter für die Laufbahn des Finanzbeamten vor der Abschlussprüfung – und Nußbaum soll alle Nachwuchskräfte übernehmen, die die Prüfung bestehen. Auch diejenigen, die die recht schwierige Prüfung nur mit der Abschlussnote „Ausreichend“, also der Note 4 bestehen. Das aber will Nußbaum nicht.

„Run for 4“ hieß deshalb auch das Motto der Aktion, die von der Dienstleistungsgewerkschaft verdi organisiert war. „In allen anderen Bundesländern werden auch Prüflinge mit der Abschlussnote 4 übernommen“, sagte Klaus-Dieter Gössel von verdi. Doch Nußbaum will keine Nachwuchskräfte, die gerade mal so die Prüfung bestehen. „Noten sind ein Auswahlkriterium“, sagte er. Und der Bürger habe Anspruch auf besonders qualifizierte Finanzbeamte. Einige Auszubildende, die gerade in der Prüfung stecken, murrten da und berichteten, dass insbesondere die Theorieprüfung mit Lernstoff überfrachtet und zeitlich schwer zu schaffen sei.

Es geht in diesem Jahr nur um schätzungsweise 30 Laufbahnanwärter. Denn pro Jahrgang fallen etwa 15 bis 20 Prozent durch die Prüfung, weitere 15 bis 20 Prozent eines Jahrgangs bestehen lediglich mit der Abschlussnote „Ausreichend“, wie auch Klaus Wilzer, Gesamtpersonalrat für die Finanzämter bestätigte. Prüflinge aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die ebenfalls in Königs Wusterhausen ausgebildet werden, werden in ihren Ländern auch mit der Note 4 übernommen und prüfen dort Steuererklärungen und Unternehmensbilanzen.

Nur 90 Prozent der Stellen besetzt

Berlin hat laut der bundeseinheitlichen Personalbedarfsberechnung – im Auftrag der Landesfinanzministerien – gut 700 Finanzbeamte zu wenig. Laut Berechnung für 2011 müssten es etwa 6 720 Stellen sein, tatsächlich sind aber nur 6 008 Stellen besetzt, also 90 Prozent.

Das Land hat in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig Finanzbeamte eingestellt, in einem Jahr gab es wegen des Sparkurses überhaupt keine Auszubildenden. Die Ausbildung für den mittleren Dienst dauert zwei Jahre, für den gehobenen Dienst drei Jahre. Laut verdi kostet eine Ausbildung das Land Berlin durchschnittlich 100 000 Euro. Ein Finanzbeamter kostet durchschnittlich 70 000 Euro im Jahr, erwirtschaftet aber deutlich mehr Steuereinnahmen, das räumt auch die Finanzverwaltung ein.