Bagger rollen, Kräne drehen sich, laute Schläge auf Metall ertönen. Auf der Baustelle für das neue Berliner Schloss gehen die Arbeiten trotz Kälte weiter. „Wir sind im Zeitplan, 2019 werden wir fertig sein“, sagt Hans-Dieter Hegner, Vorstandsmitglied der Stiftung Berliner Schloss im Humboldt Forum, die den Bau managt. Er führt an diesem Tag über die Baustelle.

Von den Fassaden ist noch wenig zu sehen. Baugerüste verstellen den Blick. Nur am Ostflügel sind sie abgebaut. Es ist die Seite, die nach dem preisgekrönten Entwurf Franco Stellas in moderner Architektur gestaltet wurde. Noch in diesem Jahr sollen sich die Berliner aber die erste rekonstruierte Barockfassade ansehen können. „Wir wollen im Sommer die Fassade zur Lustgartenseite abrüsten und dem Publikum präsentieren – fertig geputzt und gemalert“, sagt Hegner. Außerdem wird die Kuppel über dem Portal III mit Kupfer eingedeckt.

Die meisten der mehr als 1000 Fenster des Schlosses sind bereits eingesetzt. Das Material der historischen Rahmen: Europäische Weißeiche, die ist besonders robust. Im Gebäude hat der Innenausbau begonnen. Be- und Entlüftungsrohre verschwinden in Fußböden und hinter abgedeckten Decken. Im Schlossforum, dem Durchgang zwischen Breite Straße und Lustgarten, zieren natursteinfarbene Säulen in moderner Architektur die Fassade. Daneben liegt das überdachte Foyer. „Hier befinden sich später die Kassen und Info-Stände“, sagt Hegner. „Außerdem wird es einen riesigen Medienturm geben, der über die Veranstaltungen informiert.“

Alle geeigneten Überreste des Schlosses werden eingebaut

Im Portal IV zur Lustgartenseite wurde der Grundstein eingemauert. Er trägt als Inschrift zwei Zahlen: 1443 und 2013. Die Daten für die Grundsteinlegung des kurfürstlichen Schlosses und für den Wiederaufbau des Schlosses als Humboldt Forum. Daneben ist ein Stein aus dem 1950 gesprengten Schloss eingebaut worden. Er trägt noch die rote Markierung aus Ölfarbe, die die Sprengmeister aufmalten. „Viele Überreste des alten Schlosses gibt es nicht mehr, aber alle, die geeignet sind, bauen wir ein“, sagt Hegner.

An die Geschichte wird an verschiedenen Stellen erinnert. Zum Beispiel in einem 360 Quadratmeter großen „Zeitraum“ im Erdgeschoss. Hier sollen die Besucher alles vom Bau des Schlosses über die Revolution von 1848 bis zur Novemberrevolution 1918 erfahren. Und selbstverständlich soll auch an den Palast der Republik erinnert werden. Wie genau, wird noch diskutiert. Denkbar ist, dass einige der erhaltenen Bilder gezeigt werden, sagt Hegner. Etwa „Wenn Kommunisten träumen“ von Walter Womacka.

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