Berlin - Angemeldet waren 50 Teilnehmer, aber es kamen deutlich mehr. Mehrere hundert Menschen, darunter zahlreiche prominente Künstler und Politiker, protestierten am Mittwoch vor der russischen Botschaft Unter den Linden gegen die Syrien-Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sie warfen Putin vor, unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Terrorismus in Aleppo für einen Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung verantwortlich zu sein.

Vor drei Tagen hatte eine Gruppe von Schriftstellern und Publizisten auf der Facebook-Seite des Internationalen Literaturfestivals Berlin den Aufruf gepostet, vor der russischen Botschaft zu protestieren. „Verbrechen gegen die Menschlichkeit bleiben Verbrechen gegen die Menschlichkeit, auch wenn sie von russischer Seite begangen werden“, hieß es in dem Aufruf. Putins Krieg gegen Aleppo sei „lupenreiner Massenmord“.

Schweigen der Friedensbewegung kritisiert

Die deutsche Zivilgesellschaft ist endlich aufgewacht, meinte der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) am Rande der Kundgebung. Die gezielten Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser würden von russischen Piloten geflogen.  „Russische Piloten morden in Syrien Zivilisten“, sagte Naumann. Putin trage dafür die Verantwortung, er  müsse diesen Angriffen ein Ende machen. Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse bekannte, er wolle nicht mehr  zusehen, sondern zeigen, dass der das russische Vorgehen in Syrien für unmoralisch halte. Die Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Beck (Grüne) kritisierte das Schweigen der Friedensbewegung: „Wo sind die, die gegen die Militäreinsätze der USA protestiert haben, jetzt angesichts des Krieges in  Syrien?“, fragte sie.

Heftige Wortgefechte

Am Rande der Kundgebung kam es zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen zwischen  syrischen Flüchtlingen und  einer kleinen Schar pro-russischer Demonstranten, die von der Polizei auseinander gehalten wurden. Der Verkehr Unter den Linden in Richtung Alexanderplatz war zeitweise gesperrt.

Den Appell „Schluss mit dem Massenmord in Aleppo!“ haben nach Angaben der Initiatoren 250 Künstler aus mehr als 60 Ländern unterzeichnet. Unter ihnen befinden sich die Literatur-Nobelpreisträgerinnen Herta Müller und Elfriede Jelinek wie auch der Regisseur Volker Schlöndorf und der britische Autor Ian McEwan.

In Aleppo bricht unterdessen der Widerstand der Rebellen zusammen. Die  die von Russland unterstützten Regierungstruppen Assads brachten am Mittwoch die gesamte Altstadt unter ihre Kontrolle.