Berlin - Die ersten Sympathisanten des russischen Rockerclubs Nachtwölfe haben Deutschland erreicht. Rund zehn Personen passierten am Sonntagabend den deutsch-österreichischen Grenzübergang Bad Reichenhall. Bei Bad Aibling kontrollierten Bundespolizisten die Gruppe.

„Alle für die Einreise nötigen Papiere lagen vor“, sagte ein Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Bei den Kontrollierten handele es sich nicht um Vollmitglieder des Rockerclubs, sondern um Unterstützer und Familienangehörige. Ein Österreicher sei auf einem Motorrad, die anderen neun mit Autos unterwegs.

In Travemünde nahm die Bundespolizei ein Mitglied der Nachtwölfe in Gewahrsam. Er war am Sonntag mit einer Fähre aus Helsinki gekommen. Die Überprüfung der Reiseunterlagen dauere an, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei prüft, ob der Mann falsche Gründe für seine Visa-Erteilung angab. Am Flughafen Schönefeld wurde drei Mitgliedern der Nachtwölfe die Einreise verweigert.

Tournee-Ende in Berlin-Treptow

Die Tour des dem Kreml nahe-stehenden Rockerclubs startete in Moskau am 25. April, dem Jahrestag der Einkesselung Berlins durch sowjetische Truppen. Am 9. Mai, dem Tag, an dem Russland den Sieg über Hitlerdeutschland feiert, soll sie in Berlin enden. Am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow wollen die Rocker aus Russland Blumen niederlegen.

Für diesen Zweck wollen sie im Konvoi durch die Stadt fahren. Die Fahrt in geschlossenen Verbänden ist laut Straßenverkehrsordnung anmeldepflichtig. Bei einer Genehmigung dürfen alle Fahrzeuge eines geschlossenen Verbandes eine Kreuzung oder rote Ampeln überqueren, wenn diese beim ersten Fahrzeug noch grün war. Bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe es nur zwei formlose E-Mail-Anfragen gegeben, sagt Sprecher Martin Pallgen. „Wir haben die Absender gebeten, einen förmlichen Antrag zu stellen, was sie nicht taten.“

Genehmigung für Berlin steht aus

Genehmigte Kolonnenfahrten von Rockerclubs gibt es immer wieder. In anderen Fällen gibt es Ärger: So haben Ausfahrten der Hells Angels oder Bandidos meist Großeinsätze der Polizei zur Folge, weil diese Clubs generell niemanden um Erlaubnis fragen. „Sollten die Nachtwölfe ohne Genehmigung in Kolonne fahren, wäre dies ein verkehrsrechtlicher Verstoß, und wir würden einschreiten“, sagte ein Polizeisprecher.

In Berlin könnten die Russenrocker auf einige Sympathisanten treffen. Möglicherweise finden sich zum Beispiel im Sowjetischen Ehrenmal wieder ehemalige NVA- und Stasioffiziere ein, um wie in früheren Jahren Kränze niederzulegen. Der Traditionsverband NVA, der auf seiner Webseite seiner Putin-Nähe Ausdruck verleiht, hatte in den vergangenen Jahren in Treptow Aufmärsche in historischen DDR-Uniformen veranstaltet, bis sie im vergangenen Jahr verboten wurden.

Die Bundesregierung will nicht gegen den geplanten Motorradkonvoi vorgehen. Grundsätzlich werde sie nicht verhindern, wenn Menschen 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs dieses Anlasses gedenken wollen, sagte ein Sprecher.