Der Fall der angeblich vergewaltigten 13-jährigen Lisa aus Marzahn sorgte vor etwas mehr als einem Jahr bundesweit für Schlagzeilen und schlug auch international Wellen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach sogar von Vertuschung durch deutsche Behörden. Nun kommt der „Fall Lisa“ erstmals vor Gericht.

Ein 23-jähriger Mann, der sexuellen Kontakt zu dem russlanddeutschen Mädchen hatte, muss sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Herstellung kinderpornografischer Schriften verantworten. Er soll den Missbrauch gefilmt haben. Das teilte Lisa Jani, Sprecherin der Berliner Strafgerichte, am Dienstag mit.

Im Januar vergangenen Jahres verschwand die 13-jährige Lisa aus Marzahn auf dem Weg zur Schule. Noch am Abend klebte die Familie des Kindes Suchplakate. Als das Mädchen nach 30 Stunden wieder bei seiner Familie auftauchte, sprach es von Entführung und Vergewaltigung. Im Internet kursierten Gerüchte, dass das Kind von Migranten vergewaltigt worden sei. Es gab Demonstrationen von zahlreichen Russlanddeutschen, die NPD und auch Pegida-Anhänger sind dabei.

Obwohl die Ermittler schnell herausfanden, dass an der Geschichte nichts stimmte und die Gerüchte über eine Vergewaltigung immer wieder dementierten, wurden die Proteste stärker. Lisa gab schließlich zu, sie habe Schulprobleme gehabt und sei deswegen für Stunden bei einem 19-jährigen Freund untergetaucht.

Einvernehmlich aber strafbar

Bei ihren Ermittlungen stießen die Fahnder auch auf den mittlerweile angeklagten 23-Jährigen. Er soll mit Lisa sexuellen Kontakt gehabt haben, obwohl er wohl gewusst hatte, dass das Mädchen erst 13 Jahre alt war. Zwar habe es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt. Doch weil Lisa noch keine 14 Jahre alt war, macht sich ein Erwachsener dadurch strafbar. Zudem soll der Mann den Sex mit seinem Handy gefilmt haben.

Nach Angaben der Gerichtssprecherin kommt der Fall vor ein Jugendschöffengericht. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.