Die Arbeiten im S-Bahn-Tunnel in der Innenstadt sind beendet, teilte die Deutsche Bahn (DB) am Montag mit. „Nun geht es ans Aufräumen“, sagte Projektleiter Ulrich Burckhardt. Wie angekündigt sollen auf der Nord-Süd-Strecke zwischen Gesundbrunnen und Yorckstraße vom kommenden Montag an wieder S-Bahnen der Linien S 1, S 2 und S 25 fahren. Dann müssen die Fahrgäste keine Umwege mehr fahren oder in den Bussen des Schienenersatzverkehrs im Stau stehen. Mindestens zwei Jahrzehnte soll es im Tunnel keine Baustellen mehr geben. Dafür sind nun anderswo Sperrungen geplant.

Dreieinhalb Monate lang war die Strecke aus den 1930er-Jahren, die sich wie eine unterirdische Berg-und-Tal-Bahn unter dem Stadtzentrum und der Spree hindurchschlängelt, wegen Bauarbeiten gesperrt. Doch an diesem Montag war es so weit: Gegen sechs Uhr früh wurden die Stromschienen an der fast sechs Kilometer langen Trasse wieder unter Spannung gesetzt, gegen acht Uhr setzte sich dort wieder eine S-Bahn in Bewegung. Gefahren wurde der Zug von Walied Schön, einem S-Bahner durch und durch: Er hat in einer S-Bahn geheiratet.

Schienenstaubsauger auf Tour

Am Montag reisten aber keine regulären Fahrgäste mit Höchsttempo 60 durch den Tunnel, sondern Fachleute in Warnwesten. Und anders als die übliche Kundschaft hatten sie keine Aktentaschen oder Einkaufstüten dabei, sondern Computer.

Torsten Labes, Ingenieur bei der DB, fuhr mit. „Heute haben wir mit den sicherungstechnischen Prüfarbeiten begonnen“, erklärte er. Funktionieren die Balisen – die gelben Kästen auf den Schwellen, die Züge mit Informationen versorgen? Funktionieren die Signale? „Donnerstagabend wollen wir fertig sein“, so Labes. Auch unangenehmere Arbeiten sind noch zu erledigen.. „Auf allen Bahnhöfen sind noch Grundreinigungen fällig“, berichtete Ulrich Burckhardt. Zwar hat der Schienenstaubsauger, ein Ungetüm auf Rädern, bereits altes Laub, weggeworfene Kaffeebecher und anderen Schmutz aus den Gleisbetten geklaubt. Doch auf den Bahnsteigen liegt noch viel Staub.

Schon 2013 war der Tunnel lange wegen Bauarbeiten dicht. Seit dem 16. Januar müssen sich nun erneut rund 100.000 Fahrgäste pro Tag andere, meist zeitraubendere Wege suchen. Die Mühe hat sich aber gelohnt, sagte Burckhardt. So wurden diesmal nicht nur vier Kilometer Gleis erneuert, 19 Weichen ausgetauscht, 5,6 Kilometer Starkstromkabel verlegt, 2 500 Leuchtstoffröhren montiert und eine neue Zugsicherungstechnik installiert. Auch für den Komfort wurde etwas getan.

„Wir haben zum Beispiel dafür gesorgt, dass sich der Mobilfunkempfang verbessert“, sagte Burckhardt. Sechs Basisstationen wurden mit LTE-Technik aufgerüstet, damit die Fahrgäste jetzt überall im Tunnel ihr Smartphone gut nutzen können.

Nächste Sperrung schon in Sicht

Gegen das ohrenbetäubende Räderquietschen in den vielen engen Kurven, das die Fahrgäste genervt hatte, wurde ebenfalls etwas unternommen. Neun Anlagen, die bei jeder Durchfahrt ein Schmiermittel auf die Schienen auftragen, wurden ausgetauscht, vier neue eingebaut. Dafür kommen in sechs Bahnhöfen der Nord-Süd-Strecke neue Sinnesreize hinzu: 45 Projektionsflächen für Werbefilme wurden installiert.

Ulrich Burckhardt hat das 6,4-Millionen-Euro-Projekt von DB Netz pünktlich und ohne Mehrkosten abgewickelt. Doch lange ausruhen kann er sich nun nicht, denn er muss das nächste Bauvorhaben vorbereiten. „Während der Sommerferien 2015 wird ein Abschnitt des Südrings saniert“, sagte er. Vom 17. Juli bis 31. August fahren zwischen Halensee und Bundesplatz keine S-Bahnen, sondern Busse.

Kollegen Burckhardts bereiten weitere Projekte vor. Die Stadtbahn, die von Ost und West durch das Zentrum führt, wird für Regional- und Fernzüge gesperrt – vom 29. August bis 22. November. Zwischen Zoo und Alexanderplatz müssen Fahrgäste auf die S-Bahn umsteigen.