Berlin - Auf dem Foto wirkt er so, als ob er sich hinter einigen Bäumen versteckt hätte, um nicht entdeckt zu werden. Doch es ist unverkennbar: Bei der S-Bahn ist der erste Zug der neuen Generation eingetroffen. „Er kam am 12. Juni im Werk Schöneweide an“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner auf Anfrage. Die Zwei-Wagen-Einheit 483 004 sei auf dem Schienenweg von Velten in den Südosten Berlins gelangt, berichtete er. In Velten befindet sich ein Standort des Fahrzeugherstellers Stadler, der in einem Konsortium mit Siemens die Bahnen baut.

Wenig Rot, viel Ocker, schwarze Türen und eine Front, die an einen Tablet-Computer erinnert: Noch vor den Fahrgästen haben die S-Bahner die Chance, sich an das Design zu gewöhnen. Wobei es natürlich vor allem um die Technik geht: „Unsere Triebfahrzeugführer und die ’Neue’ können sich bei Schulungen und verschiedenen Tests besser kennenlernen“, twitterte das Unternehmen. Den ganzen Sommer über bleibt der Zug in Schöneweide auf dem Hof. Dort dient er unter anderem der Ausbildung der Trainer, die das Fahrpersonal mit der neuen Baureihe vertraut machen.

Prüffahrten zum neuen Flughafen

Die erste neue S-Bahn in Schöneweide ist einer von zehn Vorserienzügen, die vom 1. Januar 2021 an Fahrgäste befördern sollen – zunächst auf der S47 zwischen Spindlersfeld und Südkreuz. Geplant ist, dass die Flotte bis 2023 auf 382 Wagen wächst. Kosten: 900 Millionen Euro. Nach und nach erweitern die klimatisierten Züge ihren Einsatzbereich auf die Linien S46, S8 sowie S41 und S42.

Zwei weiteren Vorserienfahrzeugen steht bald eine mehr als 600 Kilometer weite Reise bevor. Loks schleppen die S-Bahnen von Wegberg-Wildenrath am Niederrhein, wo sie derzeit auf dem Siemens-Testring ein Prüfprogramm absolvieren, nach Berlin. Voraussichtlich im August setzen sie ihre Abnahmefahrten hier fort – zunächst zwischen Schönefeld und dem BER.

Auf der knapp acht Kilometer langen Trasse ist momentan noch wenig los: So lange der Flughafen noch nicht in Betrieb ist, finden nur „Belüftungsfahrten“ statt. Meist zwei Mal pro Nacht sorgen S-Bahnen für Luftaustausch, damit sich im Tunnel kein Schimmel bildet.

"Kilometer schrubben"

Die Vorserienzüge der neuen S-Bahn werden auch in Abstellanlagen und auf Werksgelände des DB-Unternehmens unterwegs sein. Dort gibt es Stromschienen alter Bauart, deren Zusammenspiel mit den neuen Stromabnehmern wie berichtet noch nicht richtig funktioniert. "Wir müssen eine dauerhafte Lösung finden", sagte ein S-Bahner. "Die neuen Züge brauchen Stromabnehmer, die überall funktionieren."

Wahrscheinlich ab Herbst werden die Vorserienzüge dann nachts auf dem Ring ihre Runden drehen. Die Devise heißt „Kilometer schrubben“: Die zehn Vorserienzüge müssen zusammen 160.000 Kilometer zurücklegen.