Auch am Donnerstag wurde die Geduld der S-Bahn-Fahrgäste wieder mal auf eine harte Probe gestellt. Signalstörungen in Friedrichsfelde Ost und Grünau führten zu Verspätungen, später kam noch ein Polizeieinsatz in Jannowitzbrücke dazu. Doch auch wenn das Berliner und Brandenburger S-Bahn-Nutzer nicht trösten wird: Anderswo sind die Fahrgäste oft noch schlechter dran. Im bundesweiten Vergleich schneidet die S-Bahn Berlin gut ab. Das zeigt die Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. 

97,2 Prozent der S-Bahnen sind als pünktlich registriert

Der Berliner Abgeordnete Stefan Gelbhaar und seine Mitstreiter wollten wissen, wie pünktlich die S-Bahnen in Deutschland sind. Die Antwort des Verkehrsministeriums überrascht: In der Statistik rangiert Berlin auf dem drittbesten Platz. Hier wurden im ersten Halbjahr 2018 immerhin 97,2 Prozent der S-Bahnen als pünktlich registriert – was in diesem Fall heißt, dass die Züge exakt nach Plan fuhren oder sich maximal fünf Minuten und 59 Sekunden verspäteten. Rostock schnitt mit 99,2 Prozent am besten ab, gefolgt von der S-Bahn Hamburg mit einer Pünktlichkeitsquote von 98 Prozent. Schlusslichter sind die S-Bahnen Rhein-Main und Rhein-Neckar.

S5 ist das Schlusslicht

Das gute Abschneiden ist Balsam für die Seelen der Berliner S-Bahner, die oft mit Kritik konfrontiert werden. „Vielleicht ist in Berlin der Maßstab etwas verloren gegangen bei der Beurteilung unserer Leistung“, sagte ein Mitarbeiter des DB-Unternehmens. „Natürlich haben wir es mit unserem eigenen Netz leichter als andere S-Bahnen, die im Mischbetrieb fahren müssen.“ Außer in Berlin und Hamburg müssen sich S-Bahnen die Gleise mit anderen Zuggattungen teilen. „Dafür haben wir im Gegenzug aber auch besondere Herausforderungen, die schwieriger sind, als in allen anderen S-Bahnsystemen“, so der S-Bahner. Der Ring werde stark genutzt, und der Fahrplan lasse fast keine „Erholungszeiten“ zu, die nötig sind, um Verspätungen auszugleichen. „Außerdem ist unsere Flotte besonders störanfällig. Das haben uns sogar die Gutachter des Senats 2011 und 2013 hochoffiziell bestätigt“, hieß es. 

In der Anfrage der Grünen-Fraktion ging es noch um ein weiteres Thema: die Pünktlichkeit der einzelnen S-Bahn-Linien. In diesem Ranking bilden Linien auf der Stadtbahn, der Ost-West-Strecke in der Innenstadt, die Schlusslichter. Am niedrigsten war die Quote im ersten Halbjahr 2018 auf der S5 (94,6 Prozent), gefolgt von der S7 und S3. 

Häufige Störungen des Zugsicherungssystems bei Stadtbahnlinien

Der S-Bahner erklärt die schlechten Werte für die Stadtbahnlinien mit den häufigen Störungen des Zugsicherungssystems ZBS, das dort  eingeführt worden  ist, und mit der Zweigleisigkeit Ostkreuz – Ostbahnhof. Die Stadtbahn ist ein  Qualitätsprojekt, das die S-Bahn umsetzt. „Das hat dazu geführt, dass sich die Pünktlichkeit im Stadtbahnsystem normalisiert hat.“  Auch auf dem Ring habe man Abläufe erfolgreich verbessert.