Berlin - Auch dieser Winter lässt die Berliner S-Bahn nicht kalt. Vor allem die älteren Züge der Baureihe 485 machen mehr Schwierigkeiten als sonst. Von Antriebsstörungen wird berichtet, aber auch davon, dass Winterstreumittel der Mechanik der Türen zusetzen. „Aus Umweltgründen wird immer mehr Granulat verwendet, das dann in die Züge gelangt“, sagte ein Bahnsprecher am Donnerstag. „Das ist ein ernst zu nehmendes Problem.“ Doch von einer neuen Winterkrise könne keine Rede sein. Der Sprecher wies die Darstellung des Fahrgastverbands IGEB, der sich über „ausgefallene, verspätete und oft überfüllte Züge“ beschwert hatte, zurück. Auch beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) will man das Wort Krise derzeit nicht in den Mund nehmen.

Am 27. Januar habe es erstmals in diesem Winter etwas kräftiger geschneit, so Christfried Tschepe und Jens Wieseke vom Fahrgastverband. „Und schon gibt es die alt bekannten, aber überwunden geglaubten Winterprobleme bei der S-Bahn: zu viele und zu lang anhaltende Weichenstörungen, Fahrzeugausfälle und unzureichende Fahrgastinformation.“ Die Wiederholung sei nach den Erfahrungen und den vorbeugenden Maßnahmen der Bahn umso unverständlicher, hieß es.

„Wir haben in die Fahrgastinformationstechnik investiert, wir haben viele Mitarbeiter geschult. Aber wir sind bei diesem Thema noch nicht da, wo wir hinwollen“, gestand der Bahnsprecher ein. Auch der VBB sehe Defizite bei der Information der Fahrgäste, sagte Sprecherin Elke Krokowski, und die Fahrzeugsituation sei angespannt. So waren Dienstagfrüh 1 028 S-Bahn-Wagen im Einsatz, 32 weniger als vereinbart. „Doch erhebliche Probleme sehen wir derzeit nicht“, sagte Krokowski. Am Donnerstag waren 1 044 Wagen im Betrieb. Was Störungen an Weichen und anderen Teilen der Infrastruktur anbelangt, sei deren Zahl geringer als 2013. „Verglichen mit früheren Wintern ist die Lage relativ stabil.“ Im Januar vergangenen Jahres war die S-Bahn mit durchschnittlich 1 016 Wagen unterwegs, ein Jahr davor mit 944.

Die DB bewirbt sich allein

Die Zukunft der S-Bahn war am Donnerstag Thema einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des DB-Konzerns. Die Aufsichtsräte beschlossen einstimmig, dass die S-Bahn Berlin GmbH an der Ausschreibung des Betriebs auf dem Ring und weiteren Linien teilnimmt. Das DB-Unternehmen wird allein ein Angebot abgeben. Der Vorstand hatte dies vorgeschlagen.

Ein früheres Konzept, das die Bildung eines Firmen-Konsortiums vorsieht, wurde nicht mal mehr diskutiert. Wie berichtet sollten die DB, Siemens und Stadler Gesellschafter dieses Joint Ventures werden. Die Zug-Hersteller sollten nicht nur für die Produktion der S-Bahnen, sondern auch für die Wartung zuständig sein. Doch Konkurrenten wie Alstom und Bombardier drohten Klagen an, weil die frühe Bindung den Wettbewerb beschränke. Darum verschwand das Konzept inzwischen wieder in der Schublade.

Mit der Ausschreibung suchen Berlin und Brandenburg das Unternehmen, das die Linien S 41, 42, 46, 47 und 8 künftig mit fast 400 fabrikneuen Wagen betreibt. Der Vertrag soll ab Ende 2017 gelten. Die Angebote sollen Mitte August 2014 eingereicht werden, und am Jahresende soll feststehen, wer den Zuschlag erhält. Doch Beobachter sind skeptisch, ob sich der Zeitplan einhalten lässt. Denn beim VBB stünde noch immer nicht fest, welche Anforderungen die Züge erfüllen müssten.