Es soll das letzte Mal sein, bevor der Komplettumbau des Bahnhofs Ostkreuz nach zwölf Jahren abgeschlossen sein soll. Doch für die mehr als 350.000 S-Bahn-Nutzer, die täglich das Ostkreuz passieren, ist wohl gerade das große Finale noch einmal besonders nervend. Denn seit Freitagmorgen ist einer der am meisten frequentierten Bahnhöfe in Deutschland ausgerechnet auf seiner Kern-Ader in Ost-West-Richtung gesperrt. Zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof werden ein drittes und viertes Gleis ans Netz gebracht.

Betroffen sind daher die Linien S3, S5, S7, S9 und S75. Zwischen Karlshorst und Alexanderplatz sowie zwischen Lichtenberg und Ostkreuz fahren bis in die Nacht zum kommenden Dienstag Ersatzbusse. Sie sollen laut Auskunft der S-Bahn im Drei- bis Fünf-Minuten-Takt unterwegs sein. Wie viele Busse dafür im Einsatz sind, war am Freitag bei der S-Bahn nicht in Erfahrung zu bringen.

Genervte Berliner, überforderte Touristen

„Ersatzverkehr gehört halt irgendwie zu Berlin“, sagt einer der Wartenden hier am Ostkreuz. „Besser, die S-Bahn erledigt ihre Arbeiten, als wenn monatelang die Gleise kaputt sind. Doch nicht alle Berliner nehmen es so gelassen. Christina Kretschmer aus Köpenick kommt von einem Arzttermin, will wieder nach Hause. „Ich habe erst Leute ansprechen müssen, um zu erfahren, wie ich jetzt mit dem Bus weiterfahren soll“, sagt sie. Und auch viele der Touristen, die hier um- oder einsteigen wollen, sind mit der Situation überfordert. Ein englischer Familienvater zum Beispiel, der sichtlich nervös und ratsuchend mit Frau und Tochter auf das Servicepersonal der S-Bahn zu.

Zu den Sperrungen kommt erschwerend hinzu, dass die Busse nicht direkt an den S-Bahnhöfen Karlshorst und Warschauer Straße halten können. „Dort sind längere Umsteigewege einzuplanen“, hieß es vom Servicepersonal. Außerdem könne der Betriebsbahnhof Rummelsburg wegen der Straßenlage nicht vom Ersatzverkehr angefahren werden. Es empfehle sich, auf die BVG-Buslinie 396 auszuweichen.

Die S9 fährt nicht zwischen Treptower Park und Alex. Zwischen Erkner und Ostbahnhof kann mit dem S-Bahn-Ticket auch der Regional-Express RE1 genutzt werden. Wer als Fahrgast der S5, S7 und S75 auf die U-Bahn-Linie U5 zwischen Lichtenberg und Alexanderplatz umsteigt, kann immerhin mit einer kürzeren Zugfolge rechnen. Alle viereinhalb bis fünf Minuten sollen die Züge fahren.

„Mehr Fahrplanstabilität“

Grund für das entbehrungsreiche Finale sind Prüfungen und Abnahmen zur Inbetriebnahme der sogenannten Viergleisigkeit zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof. Dafür sind Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik nötig, ebenso Kabeltiefbauarbeiten und Schwellenauswechslungen.

„Jetzt erfolgt der letzte Schliff“, sagt Christian Welzel, Projektleiter Ostkreuz bei der S-Bahn-Muttergesellschaft Deutsche Bahn. Die „Einbindung des dritten und vierten Gleises in Richtung Innenstadt“ sei lang ersehnt worden. Den Fahrgästen verspricht er „deutlich mehr Fahrplanstabilität“. Außerdem könne die S75 von Wartenberg aus wieder mit vollem Programm ans Ostkreuz herangeführt und bis Ostbahnhof erweitert werden.

12 Jahre Runderneuerung

Es sollen tatsächlich die letzten großen Arbeiten für den Umbau des Ostkreuzes sein, bevor der Bahnhof nach zwölf Jahren Runderneuerung wieder voll in Betrieb gehen wird. Mehr als 1500 Züge halten dort täglich, womit das Ostkreuz Deutschlands Bahnhof Nummer eins ist. Zudem ist er dank 123.000 Ein-, Aus- und Umsteigern am Tag der größte Nahverkehrsknotenpunkt Berlins.

Seit 2006 wird der Bahnhof bei laufendem Betrieb komplett umgebaut und modernisiert. Der Bahnhof ist seit 2014 barrierefrei. Ursprünglich sollte der Umbau bereits vor zwei Jahren abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten werden auf rund 500 Millionen Euro beziffert. Am 9. Dezember tritt der Winterfahrplan in Kraft. Dann ist der Umbau des Bahnhofs offiziell abgeschlossen.